Mit einem gesicherten Nichtabstiegsplatz fuhren wir mit breiter Brust nach Passau. Wer hätte das gedacht, dass wir nach unserem Aufstieg in die Oberliga so gut mithalten können? Sollten wir gegen Passau gewinnen, wäre sogar der Aufstieg in die Zweite Bundesliga möglich, da Bayern nicht aufsteigen darf. Falls ein Verein den Aufstieg nicht wahrnehmen würde (da die zweite Liga doch recht teuer ist), wären wir dann an der Reihe… Aber bevor man an so was denken kann, muss man Passau erstmal schlagen. Immerhin haben die (in etwas anderer Aufstellung) schon erste Bundesliga gespielt. Ich selber kenne ein paar Passauer, da mein Vater bis kurz vor seinem Tod aktiv in und für Passau gespielt hatte.
Leider musste Alex absagen, was uns deutlich geschwächt hat. Da die Dritte in Bestbesetzung antreten sollte, da im Abstiegskampf und die Zweite Mannschaft ohnehin schon stark geschwächt ist/war, nahmen wir Sascha Buchberger mit nach Passau. Oberligaluft soll noch niemanden geschadet haben?!
Michael, der bislang die beste Einzelleistung erzielt hat, also quasi eine Bank war, stand bereits nach relativ wenigen Zügen (für meinen Geschmack) absolut platt. Die Partie hatte ich bereits abgehakt. Michael hatte ein bis zwei suboptimale Züge gespielt und stand direkt unter Feuer. Weiß hat Königsangriff, Zentrumskontrolle, Entwicklungsvorsprung und muss nur aussuchen, wie er den Skalp holt.
Felix kam diesmal gut aus der Eröffnung, was mich hier sehr hoffnungsvoll stimmte. Sehr oft muss Felix ja direkt in oder kurz nach der Eröffnung sehr kreativ werden, um den für ihn typischen Druck aufzubauen und manche Zugeständnisse hierfür zu kompensieren. Diesmal gab es keinerlei Zugeständnisse, dafür aber auch nicht so viel Druck...
Andi spielte äußerst solide und ruhig – und das bereits in der Eröffnung. Kaum Gefahr, zu verlieren.
Helmut kam gut aus der Eröffnung und ertrotzte sich eine gute Stellung mit aktiven Gewinnplänen.
Paul ist in letzter Zeit für Überraschungen bezüglich seines Eröffnungsrepertoires gut. Diesmal spielte er mit weiß einen seriösen Antisizilianer. Zunächst sah alles sehr nach Theorie aus, dann aber meinte ich, dass die Stellungstendenz gegen ihn läuft.
Reinhold spielte mit den schwarzen Steinen grundsolide. Die Partie sah für meine Augen sehr ausgeglichen aus.
Sascha, unser Oberliganeuling und –youngster spielte frech-fromm-fröhlich-frei auf. Sehr gut, dass er sich nicht wie das Karnickel vor der Schlange versteckt hat. Immerhin hatte sein Gegner 300 DWZ-Punkte mehr als er. Oder „nur“, je nachdem, wie man es sieht, da Passau auch nicht in Bestbesetzung antrat. Wie auch immer, Sascha kam zwar unter Druck, kämpfte aber dagegen und nahm furchtlos einen Bauern mit. Dafür kam er unter starken Druck, der aber auf mittelfristig aushaltbar war. Ich habe meine Zweifel, ob das Bauernopfer korrekt war… Leider hatte Sascha sehr viel Rechenzeit benötigt und kam viel zu früh in Zeitbedrängnis. Fischerzeit hat zwar den Vorteil, dass man nicht über die Zeit gezogen werden kann bzw. kaum auf zeit verlieren kann. Dafür kann man aber sehr früh in die dann dauerhafte Phase ohne längere Bedenkzeit rutschen, was hier passierte. Die Folge: ein etwas gröberer Fehler und die Partie war futsch. 1:0 für Passau.
Meine Partie sah von außen möglicherweise staubtrocken-langweilig aus – zudem quasi mehr als ausgetretene Theoriepfade –, aber die Stellung war voll von kleinen Finessen. Leider hatte ich die genaue Zugfolge nicht auswendig parat und kannte nur die Motive. Ich hätte die Stellung zweimal transformieren können – einmal in eine unklare, dynamische Stellung und einmal in völlig drögen Ausgleich. Erstere habe ich nicht genau abschätzen können und habe den Weg sehenden Auges und etwas wehmütig ausgeschlagen, letzteres habe ich nicht komplett durchgerechnet, da ich meine Hauptidee sicherer fand. War sie aber nicht. Die Folge: ein schwacher Zug von mir nebst Stellungsnachteil (der mir erst am Computer klar wurde – wir haben beide in der Analyse den besten Weg für Weiß übersehen), dann ein fast ebenso schwacher Zug meines Gegners nebst Remisangebot. Ich nahm an…
Michael schaffte ein Wunder bzw. sein Gegner verdödelte die schöne Stellung. Manchmal muss man ja nur geduldig warten. Jedenfalls holte er sich seinen fünften Sieg! Ausgleich! Helmut verbesserte seine Position Stück für Stück und holte einen weiteren Punkt für uns. Dafür verschlechterte sich Felix’ Position. Er hatte keinen Angriff mehr, dafür war ein Bauer futsch. Vielleicht war es noch zu halten, aber sicherlich nicht einfach. Felix gab den Punkt ab. Leider verlor auch Paul, wodurch Passau nun 3,5 Zähler besaß.
Die Bundesliga rückte also in immer weitere Ferne. Indem Andi seine Pulverschneestellung genoß und den Gegner knetete, kamen wir zumindest wieder an Passau heran. Andi holte den Punkt – 3,5 : 3,5. Reinhold konnte zwar seine Partie nicht gewinnen, aber so haben wir zum Saisonende noch mal ein Unentschieden eingefahren. Nominell waren wir schwächer als Passau, aber auch trotz Michaels glücklicher Partie denke ich, dass das Ergebnis so dem Kampfverlauf ganz gut entspricht.
Wir sind jetzt mit 9:9 Punkten auf Platz 5 von Zehn. Wir können also festhalten: Der SKK ist absolut oberligatauglich. Und wer weiß, vielleicht schaffen wir ja nächstes Jahr den Aufstieg? (Träumen darf man ja)
Hier die Ergebnisse im Einzelnen:
3 SK Passau 1 DWZ ELO - SK Kriegshaber 1 DWZ ELO 4 - 4
1 4 Testor, Sebastian 2325 2331 - 1 Wolfsteiner, Helmut 2287 2315 0 - 1
2 6 Hiermann, Dietmar 2226 2245 - 3 Schnelzer, Reinhold, Dr. 2241 2271 ½ - ½
3 7 Pflug, Matthias 2244 2288 - 4 Demel, Paul 2143 2140 1 - 0
4 8 Schmid, Franz 2152 2228 - 5 Bintakies, Michael 2139 2164 0 - 1
5 10 Offinger, Robert 2146 2214 - 6 Stör, Andreas 2179 2170 0 - 1
6 11 Lautner, Josef 2165 2190 - 7 Hahn, Christoph, Dr. 2125 ½ - ½
7 12 Schüller, Ernst 2147 2195 - 8 Stelter, Felix, Dr. 2165 2052 1 - 0
8 16 Heyne, Gerhard 1988 2083 - 19 Buchberger, Sascha 1664 1773 1 - 0
Schnitt: 2174 2221 - Schnitt: 2118 2133