Schwabenliga II Nord, letzte Runde. Liebe Fans an den Empfangsgeräten, die Luft knistert vor Spannung. Nur wenige hundert Meter voneinander entfernt haben die beiden Führenden der Liga ihre letzten Matches als Auswärtskampf zu bestreiten: Der Tabellenführer Aichach bei Keres Augsburg und der Zweitplatzierte Kriegshaber II bei SG Augsburg in ihrem letzten Match in der Spitalgasse.
Bei Keres geht es ebenfalls um die Wurscht: Im Fernduell hofft man auf einen engagierten Auftritt von Rochade gegen Donauwörth, um die punktgleichen Donaustädter in Schach zu halten, aber mit einem Punktgewinn gegen Aichach wäre man aller Sorgen frei.
Die erste spannende Frage bezieht sich auf die Aufstellung: Wird es Kriegshaber II schaffen, 8 Spieler an die Bretter zu bekommen, das selbe Problem wälzt auch der Mannschaftsführer der SG Augsburg. Nicht dass irgendwelche Spieler Gelb gesperrt wären oder für das Champions League Finale geschont werden sollten, aber der Coach muss auf beiden Seiten die Ersatzbank reichlich strapazieren.
In der anderen Begegnung sind beide Teams in der Stammaufstellung auf den Platz gelaufen.
Schalten wir zuerst in die Spitalgasse.
Dort begrüßen wir zwar nicht unseren Kollegen Bruno Morawetz, trotzdem schwingt die Frage durch den Raum: Wo bleibt Frank? Hat er seine Skier verwachst? Der Mannschaftsführer schaut gelegentlich auf die Straße, aus dem Fenster - wo bleibt Frank? Streckenposten (also Buchi) berichten später, dass Frank nach Kriegshaber gefahren war und dann - es ist einkaufsoffener Sonntag! - unüberwindbare Schwierigkeiten hat, zur Spitalgasse und dort einen Parkplatz zu finden. Davon bekommen seine Mannschaftskollegen nichts mit, sie sehen nur das verwaiste Brett und um 11 Uhr den ersten Punkt, der an den Gegner geht.
An den anderen Brettern ist noch wenig zu sehen, der Berichterstatter hat seine übliche Bauernstruktur (Harry: die willst Du nicht sehen!), ansonsten wenig los. Doch halt: An Brett 8 droht Ungemach: David steht mit Springerpaar gegen Läuferpaar sehr beengt, seine Dame hat kaum Fluchtfelder, der König ist auf der Grundreihe eingeklemmt. David findet die einzig mögliche Abwicklung, die Dame findet einen sicheren Hafen, der König machts sichs in seiner Burg gemütlich; er hat zwar keine erkennbaren Gegenspielchancen, aber seinem Gegner fällt auch kein durchschlagender Plan ein, also bietet er remis an, was David auch annimmt.
Wir geben ab in die Karavanserey, zu Kollegen Christian Glaser (naja, genau genommen schaut gegen 12 Uhr Christian Glaser mal vorbei): Es sieht ja gar nocht mal schlecht aus, Keres steht an einigen Brettern chancenreich.
Moment, in der Spitalgasse haben wir ein Remisangebot: Detlef hat in etwas vorteilhafter Stellung ("ich seh aber keine konkreten Chancen") ein Remisangebot erhalten, der Mannschaftsführer lehnt rigoros ab: Weiterspielen.
Zur Halbzeit hat sich der Berichterstatter eine vorteilhafte Stellung erspielt: ein gegnerischer Springer auf a8 eingeklemmt, ein gedeckter Freibauer; da: er macht einen Fehler, das kostet einen Zentrumsbauern. Nach zähem Kampf, kurzem schnellen Zwischenspurt holt er sich den Bauern zurück - um unmittelbar danach die Dame einzügig einzustellen. Ja ist denn das die Möglichkeit. Totenstille auf den Zuschauerrängen, mehr danebenschießen kann man doch gar nicht!
Doch die Mannschaftskollegen zeigen Moral. Wie im Fussbal zeigt sich, dass eine Mannschaft in Unterzahl, die zurückliegt, einen Kampfgeist entwickelt, der den Gegner völlig überrascht und einschüchtert. Aber gönnen wir den Fans erst einmal eine Atempause und geben ab in die Karavanserey zu Korrespondent Hans Ostertag:
Keres führt 3 : 2.
HALLO: Keres führt!
Es laufen noch drei Partien: Brett 1 und 7 sind offen (Brett 7 vielleicht sogar mit leichten Vorteilen Keres), Jagdhuber kämpft tapfer aber mit Dame weniger gegen 2 Läufer als Kompensation. Sollte Keres die Sensation schaffen?
Oh je, und wir stehen so schlecht.
Rückpass in die Spitalgasse: Nach einem Fehler seiner Gegnerin steht auf einmal Stefan klar auf Gewinn und nach kurzer Zeit kann er seinen Vorteil auch soverän verwandeln und den Anschlusstreffer erzielen. Doch es kommt noch besser, denn Detlef hat sich inzwischen 2 Mehrbauern und eine Mehrstellung im Turmendspiel erarbeitet. Das lässt er sich nicht mehr nehmen und er gleicht aus.
3 Stunden 45 Minuten sind gespielt, den Reporter hier in der Spitalgasse hält jetzt nichts mehr, er eilt höchstpersönlich in die Karavanserey, genau zur hochbrisanten Zeitnotphase.
Jagdhuber hat immer noch eine Dame gegen 2 Läufer weniger, bei den beiden anderen Brettern steht Brett 1 für Keres etwas beengt, die andere Begegnung sieht gar nicht mal schlecht aus. 3 Begegnungen, dreimal beide SPieler vor der ersten Zeitkontrolle mit jeweils unter 5 Minuten. Die Mitnotierer gehen in Stellung, der Augsburger Spielleiter persönlich ist vor Ort.
Da: An Brett 1 bringt der Spieler von Keres ein Opfer. Ein Opfer? Nein, er stellt einfach einzügig eine Figur ein (Alternative war, eine Qualität zu verlieren), gibt sofort auf.
Jagdhuber liegt immer noch eine Dame gegen 2 Läufer zurück.
Wenige Minuten später: Auch Lang stellt einzügig eine Figur ein.
Und Jagdhuber liegt immer noch eine Dame gegen 2 Läufer zurück und läuft langsam aber sicher in einen Königsangriff.
Aichach schnappt sich die Nationalflagge und biegt in die Zielgerade zum Aufstieg ein, lässt sich von seinen Fans feiern.
Gehen, äh, schalten wir ein letztes mal zurück in die Spitalgasse.
Natürlich wissen die Spieler schon vom Ergebnis, aber keine Spur von Resignation: Mannschaftsführer Bernd hat lange in einem Bauernendspiel mit Läufer gegen Springer alles versucht, aber was willste mit einem weißfeldrigen Läufer, wenn alle gegnerischen Bauern auf schwarzen Feldn stehen? Remis machen, vielleicht? Gute Idee.
Bei Dima hatte sein Gegner praktisch von Anfang an auf Remis gespielt (erstes Remisangebot schon in der Eröffnung), und letztendlich kam am Schluss auch nur ein Unentschieden heraus.
Es war wieder mal Helmut, der der Mannschaft mit überlegen geführtem Endspiel den Sieg brachte: In einem Springer-Turm-Endspiel mit jeweils 3 Bauern hatte Helmut seine Bauern verbunden, der Gegner hatte mehrere Isolani und in einem geduldig geführten Endspiel konnte sich Helmut nach fast 6 Stunden spielzeit erfolgreich durchsetzen.
Wieder einmal hat die 2.Mannschaft haarscharf mit 4,5 : 3,5 gewonnen, aber: gewonnen ist gewonnen!
An dieser Stelle beenden wir die Konferenzreportage und verabschieden uns von unseren Zuschauern an den Empfangsgeräten!
Nachtrag:
Keres wurde für ihren tapferen Einsatz insofern belohnt, als Rochade mit einem hohen Sieg gegen Donauwörth Schützenhilfe leistete und somit Keres um haaresbreite (sprich: 3,5 Brettpunkte) auf dem viertletzten Platz gerade die Klasse halten konnte. Im anderen Abstiegsduell trafen Kriegshaber III und Kötz-Ichenhausen II aufeinander (beide in Nominalaufstellung) und hier konnte Kriegshaber III mit einem 4,5 : 3,5 Sieg gerade eben so die Klasse halten. Platz 5.
Herzliche Glückwünsche an Aichach zum Aufstieg!