Starkes Remis im Wittelsbacher Land! (4 : 4 gegen Aichach 2)

5. Mannschaft (Kreisliga III 2018/2019): Spielbericht 2. Runde

Unser Gegner in der 2. Runde, Aichach 2, war mit fast gleicher personeller Besetzung in der Vorsaison in der Kreisliga II aufgestellt. Dass es definitiv kein gemütlicher Spaziergang werden würde, war klar.

Bei uns fiel Mike aus gesundheitlichen Gründen leider aus - gute Besserung und rasche Erholung an dieser Stelle. Zur nächsten Runde ist er hoffentlich wieder fit und einsatzbereit! Roman rutschte ans 8. Brett nach und kam zu seinem Debut in der 5. Mannschaft - er hat uns nicht enttäuscht!

 

Kurz nach 18.00 Uhr tickten alle Uhren - durchaus gewöhnungsbedürftig wenn man mittlerweile fast nur noch mit digitalen Schachuhren spielt. Aber irgendwie auch "bewährte alte Schule".

 

— xxx —

 

"copy + paste" aus Runde 1: Gut eine Stunde nach Spielbeginn war die erste Partie an Brett 5 zu unseren Gunsten beendet. Josef hatte seinen Gegner nach 19 Zügen zur Aufgabe gezwungen, das Matt im nächsten Zug wollte sich dieser nicht zeigen lassen. Josef spielte mit Weiß das moderne London System. Schwarz zog seinen Königsläufer zunächst auf e7 und zwei Züge später auf d6, außerdem seinen Damenspringer über c6 nach e7. Dies kostete ihn wertvolle Tempi. Um eine Bauerngabel gegen Läufer und Springer auf e5 zu vermeiden gab Schwarz sein Läuferpaar. Mittlerweile schob Josef, der seine Rochade verzögerte, seine Bauern am Königsflügel zur Mittellinie und startete den Angriff gegen den rochierten König. Die h-Linie öffnete sich und nach Dh5 befanden sich zwei Schwerfiguren auf dieser wieder. Zusätzlich noch der Springer auf g5 und der Bauer auf g7, das war dann zu viel. 1 : 0.

 

Am 3. Brett wurde ein Najdorf-Sizilianer gespielt (1. e4 c5, Fiancchetto des schwarzen Damenläufers). Elmar spielte mit Weiß. Es gelang ihm, trotz einiger Schwierigkeiten, mit leichtem Entwicklungsvorsprung und besserer Zentrumskontrolle aus der Eröffnung zu kommen. Schwarz hätte unter Aufgabe seines financchettierten Läufers die Qualität und einen Bauern gewinnen können. So gelang aber Weiß der Qualitätsgewinn. Das Zentrum lichtete sich. Zunächst wurde aus der Qualität ein ganzer Turm mehr, dann wieder Rückgabe der Qualität und eines Bauern, letztlich stand Elmar mit Läufer gegen Bauer auf Gewinn. Durch einen ungenauen Zug ermöglichte er seinem Gegner jedoch leider ein Dauerschach und die Partie endete mit einem Remis. 1 ½ : ½.

 

Auf's 6. Brett kam, ebenso wie bei Rolf (diesmal Schwarz) in der ersten Runde, eine Italienische Partie. Im 6. Zug holte sich Rolf den e-Bauern, der verteigende Springer war durch den Lb4 gefesselt. Im Mittelspiel gab Schwarz den Bauern zurück, konnte aber im Gegenzug dafür weiße Bauern auf der f-Linie verdoppeln und damit die Königsstellung öffnen. Rolf nutzte die Initiative und mobilisierte seine Figuren. Sein Bauer auf b2 hing und wurde von der Dame angegriffen. Dass dieser Bauer vergiftet war, merkte Weiß zu spät. Rolf übersah zwar eine zwingende Mattkombination, gewann seine Partie aber durch unkonventionelles und souveränes Spiel wenige Züge später trotzdem. 2 ½ : ½.

 

Am 4. Brett spielte Ralf einen Holländer. Der Verlauf verliess schnell die bekannten Pfade. Schwarz fiancchettierte seinen Königsläufer, Weiß nicht. Schwarz geriet in eine sehr eingeengte Stellung und seine Figuren harmonierten nicht gut miteinander. Das Rezept in solchen Fällen heißt abtauschen. Leider verlor Ralf dabei 2 Bauern und sein König verblieb im Zentrum. Die Stellung war leider nicht mehr zu halten. Im 32. Zug stellte Ralf seine Dame ein, 6 Züge später gab er auf. 2 ½ : 1 ½.

 

Brett 8Roman (Schwarz): Weiß spielte einen Stonewall-Angriff (Holländisch im Anzuge). Im 8. Zug verpasste Schwarz die Möglichkeit, entweder die Qualität zu gewinnen (Se4-g3 mit Angriff von Tf8) oder die h-Linie des rochierten weißen Königs zu öffnen und dabei noch den "guten" Ld3 von Weiß abzutauschen. Das wäre Vorteil für Schwarz bereits in der Eröffnung gewesen. (Dies gilt wohl als eines der Rezepte gegen diesen Angriff - wußte ich aber auch nicht, bevor ich diesen Bericht geschrieben habe.) Stattdessen rochierte Schwarz und beide entwickelten sich weiter. Es gelang Weiß, sich das Läuferpaar zu sichern und Schwarz einen Doppelbauern auf der f-Linie einzubrocken. Später tauschte Weiß die Springer ab und erlaubte Schwarz den Doppelbauern wieder aufzulösen. Das Zentrum war geschlossen, Stellung und Material ausgeglichen, Figurenentwicklung und Königssicherheit ähnlich, Roman beherrschte jedoch mit Dame und Turm die offene c-Linie - da wäre sicherlich noch was für ihn drin gewesen. Beide fanden in den nächsten 10-15 Zügen keinen rechten Plan und so einigte man sich nach 31 Zügen, mit gegenfarbigen Läufern, jeweils Dame und 5 Bauern auf dem Brett, friedlich auseinanderzugehen. 3 : 2. 

 

Herbert spielte mit Schwarz an Brett 2 gegen eine Flankeneröffnung mit doppeltem Läuferfiancchetto. Schwarz besetzte das Zentrum, Weiß zielte aus der Ferne (noch!). Beide rochierten kurz und entwickelten ihre Figuren. Dann zog Herbert einen Springer ab und sein Gegner griff sofort an. Ehe man sich versah, gewann Weiß das Läuferpaar und bekam einen Mehrbauern. Er hatte binnen weniger Züge mit beiden Zentralbauern die absolute Kontrolle über das Zentrum erlangt, mehr Raum und seinen Turm auf der halboffenen c-Linie postiert, alles in allem eine Traumstellung. Obwohl die Partie bereits verloren war, kämpfte Herbert tapfer weiter. Meine Hochachtung, das hat sicher keinen Spaß gemacht! (Im Mittelspiel holte sich Weiß einen weiteren Mehrbauern. Auch im Endspiel blieb Weiß haushoch überlegen, räumte einen schwarzen Isolani vom Brett und schob sich unaufhaltsam nach vorne. Er opferte sogar noch seine Dame gegen den Turm. Die Umwandlung des nächsten Bauern hat sich Herbert dann doch erspart und gab auf.) 3 : 3.

 

Ich (Patrick) spielte am 7. Brett mit Weiß. Jeder kennt Murphy´s Law “If anything can go wrong, it will!“, bei mir hatte es voll zugeschlagen: Beim London System hat die Zugreihenfolge eine gewisse Bedeutung. Nachdem mein Gegner auf d4 f6 spielte, zog ich im zweiten Zug ausnahmsweise meinen Springer nach f6 (statt Lf4) und wartete ab, was mein Gegner ziehen würde. Er zog d5, jetzt konnte ich Lf4 spielen. Aber ich nahm aus Versehen den e-Bauern in die Hand - 3. e3, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Au Backe, was habe ich mich geärgert! Ich wollte meinen Gegner auf keinen Fall etwas merken lassen, also Uhr drücken, kurz raus, durchatmen, nur keine Panik! Da war doch was mit Colle oder Fiancchetto des Königsläufers oder Stonewall mit Weiß? Nur, von alldem hatte ich gar keine Ahnung! Der Damenläufer darf auf jeden Fall in bestimmten Eröffnungen erstmal drin bleiben, es ist also nix schlimmes passiert. Und vielleicht rechnete ja mein Gegner mit dem London System und war jetzt verwirrt? Frei von jeder Theorie wollte ich mein Bestes geben, also wieder rein und Schach spielen, so gut es mir möglich war. Ich entwickelte meine Leichtfiguren und rochierte kurz. Mein Gegner spielte einen typischen Aufbau mit c5, Sc6, Sf6, 0-0. Um zu verhindern, das mein Gegner e5 besetzt, gab ich meinen Lb5 gegen den Sc6 und spielte selber Se5. Mein Gegner wollte dann meinen anderen Springer haben, der das Feld e4 deckte. Ich fesselte ihn und die schwarzfeldrigen Läufer kamen vom Brett. Ein kleiner Etappensieg, ich wollte den Springer nicht hergeben. Die c-Linie öffnete sich und der Kampf um diese entbrannte. Schwarz hatte einen gefährlichen Läufer auf a3 positioniert und die Dame vor dem Turm auf der c-Linie. Ich hatte Dame und Turm auf der Grundlinie und einen Springer der (im Moment) nicht viel tun konnte. Mein Gegner konnte auf der offenen Linie vorrücken und gefährlich in meine Stellung eindringen. Er übersah aber, dass sein h7-Bauer (nach ...Kf7?) hing und meine Dame auf der offenen Diagonale stand. Ich schlug den Bauern, konnte die Diagonale hinter mir verriegeln und meinen König erstaunlicherweise fast in Brettmitte in Sicherheit bringen. Jetzt konnte ich Schach geben und hatte die Initiative. Schwarz räumte noch 2 meiner Bauern ab, währenddessen ich unverdrossen Dame, Turm und besagten Springer in den Königsangriff brachte. An dieser Stelle machte mein Gegner den entscheidenden Fehler, er zog mit seinem Bauer statt mit der Dame. Ich zog meine Dame auf g6 und drohte mit Matt in maximal 3 Zügen. Mein Gegner stellte seine Dame ein und gab dann lieber auf, als dass er sich das Matt zeigen ließ. Kaum zu glauben: 4 : 3.

 

An Brett 1 spielte Stefan mit Weiß die letzte Partie des Abends. Schwarz spielte Pirc gegen 1. e4. Stefan gelang es, den fiancchettierten schwarzen Läufer abzutauschen. Er rochierte lang und griff am Königsflügel an, sein Gegner griff am Damenflügel an. Die Stellung blieb lange Zeit ausgeglichen und es war völlig unklar, wer seinen Angriff als erster durchbringen würde. Es wurde spannend, denn Schwarz war mit seinem a- und b-Bauer bereits auf die 4. und 3. Reihe vorgerückt und geriet in Vorteil. Stefan gab mutig seinen Turm auf der g-Linie für 3 Bauern. Mit Tempo und Initiative hatte er Kompensation, brachte seine Dame ins Spiel und das Blatt wendete sich. Mit einem Damenschach wäre er nun auf Gewinn gestanden, er hätte den Turm zurückgewonnen und wäre mit 2 Mehrbauern ins Endspiel gelangt. Ehrlich gesagt, sehr schwer zu berechnen, das Ganze. In der Partie holte Stefan erst seinen Turm zur Verstärkung und gab dann das Damenschach, das reichte aber leider nicht mehr aus. Als das klar wurde, gab er verständlicherweise auf. 4 : 4

 

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Dieses Ergebnis war stark! Wir haben 3 Siege und 2 Remisen gegen durchweg deutlich stärkere Gegner erkämpft.

 

"Man wächst mit seinen Herausforderungen."

 

Weiter so!



Autor dieser Meldung:Patrick,Dr. Kreisberger
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Kommentare zu dieser Meldung:

Name und ZeitpunktKommentar
Stefan schrieb am 23.10.2018 gegen 16:04 Uhr Mit 35. Dd7+ hätte ich die Partie an Brett 1 gewinnen können, leider diesen tollen Zug übersehen, somit wurde die Mannschaft sogar um den Sieg gebracht und ich persönlich um eine tolle Angriffspartie mit Figurenopfer
Freude schrieb am 23.10.2018 gegen 14:03 Uhr Zum Bild: Links Zille - wer rechts? & 128515;& 128515;& 128515;
AlexT schrieb am 22.10.2018 gegen 22:21 Uhr 260 DWZ Punkte im Schnitt weniger und trotzdem Remis! Wow! Gratulation! Tolles Ergebnis!
WolfgangM schrieb am 22.10.2018 gegen 19:25 Uhr Ein wie immer sehr 3-dimensionaler Bericht von Patrick. Da meint man immer man ist mittendrin statt nur dabei! Gratulation zum Unentschieden gegen einen sehr starken Gegner mit einigen schwabenligaerfahrenen Spielern. Dieses Jahr wird für euch bestimmt besser wie das Letzte!


Der vorliegende Bericht ist älter als ein Jahr und kann daher nicht mehr mit Kommentaren versehen werden!
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