Ein weiteres Kampfremis der ersten Mannschaft

 

Nachdem die erste Mannschaft des MSC 1836 München nach oben durchmarschiert ist, war diesmal die zweite Mannschaft des Traditionsvereins, der früher in der ersten Bundesliga spielte, zu Gast. Und auch die zweite Garnitur wäre sehr stark besetzt – doch zum Glück für uns fehlten die auf 1,2 und 4 gesetzten Spieler, sodass uns dann doch einiges an harten Brocken erspart blieb.

Bei uns musste nur Robert kurzfristig absagen – gute Besserung, Robert!

Pünktlich um 10 Uhr ging es los…

An Brett 8 hatte es Andi mit den weißen Steinen mit Dr. Jörg zu tun, der einen holländischen Aufbau wählte. Mir hat die Vorgehensweise von Andi sehr gut gefallen, aber das ist ja oft das Problem mit diesen f5-Stellungen… Es sieht oft besser aus, als es in der Realität ist. Schwarz hat meist dann doch Gegenspiel und man kann das frühe Lockern der Königsstellung des schwarzen oft nicht so recht ausnutzen. Die Partie endete schließlich friedlich im Remishafen. Soweit ich das abschätzen kann, hatte es zu keinem Zeitpunkt gröbere Erschütterungen auf der einen oder anderen Seite gegeben.

An Brett 7 durfte Paul mit den schwarzen Steinen gegen Dr. Zeier ran. Paul wählte zusammen mit seinem Gegner eine relativ friedliche Hauptvariante – wenn es sowas in den offenen Partien überhaupt gibt… Es sah jedenfalls nach Standard aus und Chessbase hat vermutlich 100.000 Partien dazu gespeichert. Paul hatte die aber (logischerweise) nicht im Kopf und verbrauchte recht viel Zeit in der Eröffnung und dem frühen Mittelspiel. Das ganze wurde dann immer bedrohlicher und Paul kam deutlich unter Druck. Dabei hatte Paul schon recht früh die gesamte Bedenkzeit verbraucht und spielte nur noch mit den 30 Sekunden Aufschlag pro Zug. Sein Gegner hat dann – warum auch immer – ähnlich schnell wie Paul gezogen und dadurch wohl die Konzentration verloren. Jedenfalls war schwupps eine Figur weg. Die Stellung war zwar immer noch taktisch aufgeladen, aber Paul hat die Motive alle gesehen und konnte die Figur behaupten und behalten. Punkt für uns!

An Brett 6 hatte ich die weißen Steine und spielte wieder deutlich abseits der „Mainlines“ den Richter-Veresov. Ich sprang meinen Gegner, Michael Unger,  sofort mit f3, g4, h4 an, natürlich ohne lang zu rochieren oder mich sonstwie um meinen König zu kümmern. Witzigerweise konnte ich nach dem g4 in eine andere „Abseitseröffnung“, den Jobvava-Prié-Angriff überleiten – allerdings hätte ich diesen mit einem Tempo weniger auf dem Brett, da ich erst Lg5 spielte und dann mit Lf4 überleiten hätte können. Ich kenne die Variante mit dem Tempo mehr, weshalb ich das aus Prinzip nicht wollte. Das Tempo spielt aber keine Rolle, wie ich anhand von Partien der Chessbase-Datenbank gesehen habe. Ich war stur, habe eben noch h4 gezogen und dann sehr kompromisslos fortgesetzt. Es war alles extrem auf kante geschnitzt und der Computer war später gar nicht mehr mit meiner Stellung zufrieden. Dann habe ich zu allem Überdruss noch einen simplen Springerzug übersehen, durch den mein Gegner zwei Rösser auf d2 und e4 in meine Stellung pflanzte. Das sah gar nicht mehr gut aus… Ich habe meine letzten Reste an Aktivität wie eine ausgehende Flamme umsorgt und reaktiviert und kam dann aus dem folgenden Scharmützel mit einem etwas schlechteren Endspiel raus – also mit einem blauen Auge. Mein Gegner, der sehr viel Zeit und Energie investierte, um mich unter Druck zu setzen, bot schließlich remis, was ich dankend annahm. Ich hätte an seiner Stelle wohl noch zwei Stunden (mindestens) weitergeknetet und versucht, den Punkt rauszupressen. Die Tortur des Haltens wurde mir so erspart (zudem sind Springer-Turm-Endspiele tückisch, das kann dann auch wieder kippen).

An Brett 5 spielte Denis mit den schwarzen Steinen gegen Dr. Fauth. Sein Gegner wählte eine Abwicklung, die ich mir selber mal angesehen habe und letztes Jahr einmal in der Landesliga selbst auf dem Brett hatte (mit weiß natürlich). Daher war ich recht neugierig auf die Eröffnungsphase, die sich dann auch, was die Ideen und Pläne angeht, so ergab, wie ich es mir ungefähr gemerkt habe. Denis hat gewohnt solide (im Gegensatz zu mir, ähem) gespielt und ganz ruhig versucht, in kleinen Schritten seine Position zu verbessern, beim Gegner Schwächen zu erzeugen, das Übliche eben. Es wurden dann Figuren getauscht, die Stellung blieb friedlich, die absolute Symmetrie der Bauern, die sich aus der Eröffnung ergab, wurde ein bisserl aufgebrochen. Letzten Endes gab es aber nichts Konkretes zu holen. Weiß hat es seinen Anzugsvorteil verloren, musste zwischendurch auch ein bisserl aufpassen – und am Ende war es dann totremis, was auch die Punkteteilung zur Folge hatte.

An Brett 4 hatte Thomas eine schwere Aufgabe – er spielte nicht nur gegen seinen Gegner, Thomas Haizmann, sondern auch gegen sich selbst. Thomas hat ja leider mit einer „kurzen Rochade“ begonnen und nach zwei Niederlagen in Folge setzt man sich auch dann unbewusst unter Druck, wenn es objektiv betrachtet weder nötig noch hilfreich ist. Diesmal überschnitt sich Thomas‘ Eröffnung mit meinem Repertoire, sodass ich den Stellungstyp nachvollziehen konnte. Es gab jedenfalls zunächst nichts, was Grund zur Sorge bereiten würde. Außer, dass die Stellung wohl ganz objektiv betrachtet ausgeglichen war. Bei unserer Spiel“klasse“ geht es ja auch darum, reichhaltige Stellungen auf’s Brett zu bekommen, die der bessere Taktierer und/oder Stratege gewinnt, als darum, wirklich mit Weiß möglichst lange einen kleinen Eröffnungsvorteil zu behalten. Thomas gab schließlich dem Gegner die Kontrolle über die dann geöffnete a-Linie und ging davon aus, dass sie ihm wenig bringen würde. Kurz gesagt – das wurde durch gewissen Druck auf der h1-a8-Diagonalen kompensiert. Und dann war sie da, die Chance… Thomas hätte eine Figur für zwei Bauern opfern können, um einen Freibauern auf der b-Linie zu erzeugen, den er vordrücken hätte können. Allerdings wäre der nicht durchgegangen, hätte aber wohl mindestens Kompensation (wenn nicht mehr) versprochen. Und dann war sie eben doch da, die „kurze Rochade“. Soll man so ein Risiko gehen? Und wenn es dann nicht klappt? Eine dritte Niederlage? Mit zwei aus zwei im Rücken ist man selbstbewusst und opfert aus Gefühl und drückt es durch. Thomas hat lange überlegt und sich dann dagegen entschieden. Die Analyse zeigte einerseits, dass sein Gegner das Motiv gar nicht gesehen hatte und dass es wohl wirklich bärenstark gewesen wäre. So gab Thomas nach und musste in den Verteidigungsmodus übergehen. Leider wurde die Felderkontrolle des Gegners immer deutlicher und Thomas wurde langsam aber sicher erdrückt. Sehr schade, die dritte Niederlage in Folge. Vielleicht erzeugt das aber auch ein „jetzt ist es eh Wurscht-Gefühl“. Ich kenne das jedenfalls von mir (aus diversen Opens beispielsweise). Ist die Performance erstmal ruiniert, spielt sich’s völlig ungeniert. Insofern drücken ich (und sicher wir alles machen das) Thomas die Daumen, dass er in diesen „Killermodus“ geht und sich durch Punkte belohnt. Keinen Kopf machen, Augen zu und durch, des werd scho wieda!

An Brett 3 trat Sebastian mit schwarz gegen den starken Andreas Haasler an. Und jetzt spielte Sebastian eine Eröffnung, die ich selber schon mehrfach mit schwarz auf dem Brett hatte. Weiß hat eine versteckt giftige Variante ausgepackt, die als „nicht ganz so stark“ gilt, die aber leicht unterschätzt wird. Ich habe ein Buch zur Eröffnung, in dem der Autor vor diesem weißen Aufbau warnt. Sebastians Herangehensweise ist, wie gesagt, genau das, was ich dagegen auch mache. Um im Gewinnsinne etwas zu erreichen, also auf drei Ergebnisse zu spielen, muss man sich da allerdings deutlich aus dem Fenster lehnen – sprich: am Königsflügel aktiv werden, Königsangriff, auch auf Kosten des Damenflügels – Risiko eben. Sebastian hat überlegt, ob er es versuchen will (das kann auch ganz schnell schief gehen) oder doch ruhig weiterspielt und abwartet, was der Gegner macht. Schließlich hat er sich für das seriöse Abwarten entschieden, was dann zu einem doch sehr deutlichen Remis führte. Sebastians Gegner hat es dann bis ins Bauernendspiel versucht, aber es war schon früh zu sehen, dass Sebastian gar nicht austempiert werden konnte. Am Ende wurde die Partie dann durch Patt beendet.

An Brett 2 hatte Michael Weiß – und es entstand natürlich eine „Michaelstellung“. Die wiederum kenne ich nur mit schwarz, denn mit weiß ist es etwas, was ich wirklich (außer ich glaube einmal in einem schwachen Moment im Blitz) noch nie gespielt habe. Ich kann daher eigentlich nur sagen, dass ich mit Schwarz dann recht bald eine andere Fahrrinne gewählt hätte und von dem Stellungstyp, der auf’s Brett kam, relativ wenig verstanden habe. Einmal meinte ich, dass es taktisch gefährlich für Michael werden könnte und hatte das im Postmortem dann angemerkt. Beide Spieler hatten den Zug schon in der Partie verworfen – was deutlich zeigt, dass ich eine ganz andere Spielweise habe. Ob’s gegangen wäre oder einfach nur positioneller Selbstmord gewesen wäre, wird der Computer entscheiden (bzw. hat es wohl schon, falls die beiden schon den Rechner angeschmissen haben). Was dann später rauskam, sah für mich nach dröger Remislastigkeit aus, was schließlich auch das Ergebnis war.

An Brett 1 spielte Vadim gegen IM Alvir, der ja ab und zu bei Augsburger bzw. unseren Opens mitspielt. Vadim hat sich eine Eröffnung herausgesucht, die man sonst bei Michael sieht, wenn der schwarz hat. Wieder etwas, wo ich gar keine Ahnung habe ;-). Die Partie verlief jedenfalls friedlich – eine kleine Asymmetrie war das Läuferpaar des Gegners, dafür hatte Vadim gute Felderkontrolle. Für mich sah es nach klarem Ausgleich aus. Dies wurde dann wohl durch das Remisangebot im 20. Zug bestätigt, das Vadim – er ist ja ein Kämpfer – ablehnte. Eigentlich ein gutes Zeichen… Als ich dann nochmal ca. 20 Züge später wieder an das Brett kam, war ein interessantes, spannendes, asymmetrisches Endspiel entstanden (bei Turm / Läufer auf beiden Seiten und gleichen Läufern). Vadim musste gegen einen Freibauern spielen und sein König war irgendwie weit weg vom Geschehen, dafür aber in Richtung der feindlichen Bauern. Thomas und ich hatten es als „vielleicht steht Vadim besser“ eingeschätzt, Sebastian als „Vadim steht doch schlechter“. Vielleicht kann man sagen, dass es unklar war – oder Sebastian hatte einfach (mal wieder) recht in der Stellungsbeurteilung. Bald stand es dann 3,5 : 3,5, was die beiden noch dazu unter dezenten Druck setzte. Schließlich wurde es dann optisch brenzlig. Ich hatte gehofft, dass sich Vadim selbst einen Freibauern schaffen könnte, aber sein Königsausflug hatte nur zum Tausch zweier Bauern geführt. Als Vadim dann Turmtausch zuließ (ich hätte versucht, diesen taktisch zu verhindern), sah es sehr haarig aus. Freibauer mit Königsunterstützung bei gleichfarbigem Läufer und Vadims König zu weit hinten. Aber der gegnerische König konnte nicht weiter vor (Sperre Bauern/Läufer). Vadim kam gerade noch näher ran. Gut, dass das Bauernendspiel dadurch nicht verloren gewesen wäre, weshalb Vadim Läufertausch „drohen“ konnte. Es gab mehrere, solch kleine Feinheiten, die am Ende dazu führten, dass Vadim eine Festung aufbauen konnte. Mittlerweile mit einem Minusbauern hielt er den gegnerischen König durch einen Bauern und den Läufer auf und er blockierte den Freibauern. Und so kam es dann zu einem lange spannenden 4 : 4. Es fühlte sich auf beiden Seiten gerecht an und keine der beiden Mannschaften hat einen Punkt verloren. Ich denke auch, dass es insgesamt passt und den Kampf gut widerspiegelt.

Wir haben also jetzt 2 Mannschaftspunkte erarbeitet – das ist deutlich besser als letztes Jahr. Allerdings haben Mitkonkurrenten um den Abstieg auch punkten können – bis auf die Dillinger, die mir 0 : 6 gestartet sind. Das Gefühl kennen wir ja auch und wir können mit den Dillingern mitfühlen. Wobei wir alles tun werden, um beim übernächsten Kamp den Dillingern selber zwei Punkte abzuluchsen. Die Liga ist wie immer spannend, da wirklich jede Mannschaft jede schlagen kann. Vergleicht man das mit der Oberliga, in der Deggendorf heute mit einem Mannschaftsschnitt von über 2400 antrat… und die wirklich starken Münchner Bayern (im Vergleich zum aktuellen Fußball…) weggefegt haben, ist die Luft hier in der Landesliga richtig angenehm – es geht beschaulich zu und eben recht ausgeglichen. Aber irgendwann werden wir auch wieder die raue Luft der Oberliga genießen… und wenn es ein Jahrzehnt dauert, aber wir kommen wieder! (Wie kann ich als Bayern-Fan eigentlich diesen 60er-Spruch verwenden?! Aba mia san ja weltoffen und tolerant *hihi – sorry, aber schwäbisch kann ich halt nicht, weder reden noch schreiben).

 

Hier nun die Statistiken:

 

 

SK Kriegshaber 1

DWZ

ELO

-

Münchener SC 2

DWZ

ELO

4 - 4

1

1

Lavrinenkov, Vadim

2231

2256

-

3

Alvir, Aco

2270

2314

½ - ½

2

2

Bintakies, Michael

2179

2166

-

5

Schimpf, Markus

2270

2315

½ - ½

3

3

Reimann, Sebastian

2151

2156

-

6

Haasler, Andreas

2223

2221

½ - ½

4

4

Reis, Thomas

2178

2193

-

7

Haizmann, Thomas

2096

2081

0 - 1

5

5

Wiegner, Denis

2156

2166

-

8

Fauth, Dietmar, Dr.

2059

2082

½ - ½

6

6

Hahn, Christoph, Dr.

2134

2160

-

11

Unger, Michael

2066

2112

½ - ½

7

8

Demel, Paul

2042

2176

-

13

Zeier, Robert, Dr.

2023

2116

1 - 0

8

9

Stör, Andreas

2108

2185

-

14

Jörg, Harald, Dr.

2047

2248

½ - ½

Schnitt:

2147

2182

-

Schnitt:

2131

2186

 

 

 

Und die Tabelle:

 

RangMannschaft 12345678910 MPktBPkt
1. Münchener SC 2 **           4   5 5 - 1 13,5 - 10,5
2. SC Rottal-Inn 1   **     3       6 4 - 2 14,5 - 9,5
3. SK Freising 1   **           5 4 - 2 13,0 - 11,0
4. SC Gröbenzell 1       **   4 4     4 - 2 12,5 - 11,5
5. TSV Trostberg 1       **     5   4 - 2 12,0 - 12,0
6. SAbt TSV Haunstetten 1 5   4   **         3 - 3 12,5 - 11,5
7. SC Unterhaching 1         **   5   2 - 4 12,0 - 12,0
8. SK Kriegshaber 1 4     4       **   2 - 4 11,5 - 12,5
9. SC Tarrasch München 1         3   3 **   2 - 4 10,5 - 13,5
10. SC Dillingen 1 3 2 3             ** 0 - 6 8,0 - 16,0

CH



Autor dieser Meldung:Christoph,Dr. Hahn
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Kommentare zu dieser Meldung:

Name und ZeitpunktKommentar
Helmut schrieb am 30.11.2018 gegen 10:32 Uhr Klasse Artikel
Moritz schrieb am 27.11.2018 gegen 00:54 Uhr Danke für den ausfürhlichen Artikel!


Der vorliegende Bericht ist älter als ein Jahr und kann daher nicht mehr mit Kommentaren versehen werden!
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