Auf eigenem Terrain eingestampft worden: Kriegshaber III verliert deutlich gegen Göggingen I

Um es kurz zu machen: Wir waren heute Abend beim Heimspiel gegen Göggingen einfach die schlechtere Mannschaft und haben verdient verloren. Vom DWZ-Schnitt her waren beide Teams zwar ziemlich genau gleich stark aufgestellt, sogar mit leichten Vorteilen für uns (1775 zu 1770). Aber wie sagte mal jemand so treffend: Wir spielen ja nicht DWZ, sondern Schach. Und das taten die Gäste aus Göggingen heute einfach besser als wir. Die Einzelergebnisse:

Nr. Kriegshaber III DWZ - Nr. Göggingen I DWZ 2½-5½
02 Knipfer, Andreas 1849 - 04 Meszaros, Ignac 1828 ½-½
03 Bacher, Martin 1825 - 05 Stiegel, Georg (MSF) 1909 0-1
04 Städele, Thomas (MSF) 1760 - 06 Friedl, Helmut 1884 ½-½
05 Weimer, Lothar 1811 - 07 Artz, Tobias 1625 0-1
06 Rehe, Walter 1811 - 08 Artz, Peter 1645 1-0
08 de Lange, Stefan 1607 - 09 Staib, Manfred 1702 0-1
15 Knapp, Moritz 1756 - 10 Pitl, Johannes 1827 0-1
16 Frank, Eckhardt 1781 - 13 Dr. Maus, Moritz 1745 ½-½

Der Kampfverlauf:

Anpfiff um 18.00 Uhr, wie üblich. Dann, gut eine Stunde später, die erste Entscheidung:

19.20 Uhr:
Stefan de Lange hatte als Weißer den Dameninder seines Gegners etwas zu zahm bekämpft und war in eine ungünstige, aber mit Mühe vielleicht noch haltbare Position geraten, als das hier geschah:

 

Diagramm_065

Zu seinem Unglück hatte Stefan hier zuletzt f2-f4? gezogen, was leider überhaupt nicht funktioniert. Nach der starken schwarzen Antwort Sxf4! (droht Matt auf g2) brach die weiße Stellung in wenigen Zügen zusammen. Damit stand es 0-1 gegen uns.

19.32 Uhr:
Nur zwölf Minuten später der zweite Tiefschlag: Martin Bacher schmiss hin. Mit Weiß hatte er am zweiten Brett spielend ein London System angepeilt, die Partie schwenkte jedoch in Pirc um. Martin brachte zuerst ein fragwürdiges Bauernopfer, und als das nicht funktionierte und der Gegner den Bauern einfach cool abklammerte, schob er ein definitiv unkorrektes Figurenopfer hinterher. Zu seiner Ehrenrettung muss man wissen, dass er an diesem Tag schon seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen war und einen harten Arbeitstag in den Knochen hatte - da ist es schon nachvollziehbar, wenn abends die Variantenberechnung nicht mehr mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks läuft. Kopf hoch, Martin! - Tja, damit lagen wir schon 0-2 hinten.

20.00 Uhr:
Brett 4 meldet unser erstes zählbares Ergebnis dieses Abends, allerdings nur einen halben Punkt. Eckhardt Frank hatte mit Weiß die Bird-Eröffnung gespielt und nicht viel aus der Stellung herausholen können. Kurz vor dem 40. Zug standen beide Könige in etwa gleich gefährdet, so dass Weiß per Dauerschach mit der Dame die Punkteteilung forcierte. Geht in Ordnung, aber wir liegen immer noch zwei Zähler zurück.

20.48 Uhr:
Hoffnung keimt auf - endlich der erste volle Punkt für uns! Unserem Nestor Walter Rehe gelang es, mit Schwarz am 5. Brett spielend in einem Vorstoßfranzosen die Oberhand zu gewinnen. Soweit ich es beim schnellen Nachspielen der Partie sehen konnte, verlief die Partie ziemlich klar zugunsten von Schwarz. Walter verbesserte seine Stellung Zug um Zug, drang am Damenflügel in die weißen Reihen ein und landete einen überzeugenden Sieg. Bravo! Jetzt liegen wir nur noch einen Punkt zurück. Aber wo noch ein weiterer Sieg herkommen soll, ist im Moment noch nicht zu erkennen.

20.53 Uhr:
Das zweite Remis des Abends - an Brett 1 werden die Kampfhandlungen zwischen Andreas Knipfer und dem Gögginger Spitzenspieler Meszaros eingestellt. Laut Computer war die Stellung nie wirklich aus dem Gleichgewicht geraten. Andreas hatte zwischendrin mal ein frühes Remisangebot seines Gegners abgelehnt, nach einigem weiteren Lavieren und Damentausch bot er es dann aber selbst nochmal an, was Meszaros sofort akzeptierte. Zwischenstand jetzt 2:3.

Es laufen noch drei Partien: Meine eigene, mit Positionsvorteil für mich, aber gefährlicher Initiative des Gegners. Tommis Partie, der in einem Turmendspiel mit einem Minusbauer ums Remis kämpft. Fünf gegen vier Bauern, alle auf demselben Flügel, also gute Remischancen. Und die Partie von Moritz, der gegen Grandseigneur Pitl äußerst verdächtig steht, um nicht zu sagen: Auf Bruch. Meine Schnelldiagnose: Bestenfalls Schwindelchancen.

Dann geht es plötzlich Schlag auf Schlag:

21.50 Uhr:
Tommi Städele remisiert tatsächlich sein Turmendspiel mit Minusbauer. Mit den schwarzen Steinen spielend hatte er in einem Damengambit einen schwachen a-Bauern verpasst bekommen, der im Mittelspiel belagert wurde und verloren ging. Tommi tauschte sich in das oben erwähnte Turmendspiel und verteidigte dieses gut, bis am Ende nach Turmtausch nur noch K+1B:K in einer Standard-Remisposition auf dem Brett stand. Da der weiße König auf keines der Schlüsselfelder gelangen konnte, remis. Tolle Verteidigungsleistung! Aber wir liegen immer noch einen Zähler hinten, und Moritz braucht ein veritables Wunder, um gegen Pitl zu überleben...

22.02 Uhr:
Das Wunder ereignete sich leider nicht: Moritz Knapp wird von seinem Gegner nach allen Regeln der Kunst zusammengeschoben und verliert. Er hatte mit Schwarz sein geliebtes Holländisch aufgepflanzt, kam damit aber nicht so richtig in Fahrt. Weiß hatte seinen Königsspringer über h3 und f4 entwickelt, und nach frühem Damentausch erlangte Weiß allmählich immer mehr die Oberhand. Am Ende wickelte Herr Pitl in ein Endspiel ab, wo er am Damenflügel zwei verbundene Freibauern unaufhaltsam der Umwandlung entgegen schob. Die Aufgabe von Moritz kam wirklich keinen Zug zu früh. Damit hat Göggingen viereinhalb Zähler sicher und den Kampf bereits in der Tasche.

22.03 Uhr:
Ich selbst (Lothar Weimer) hatte mit Weiß eine Art Mischmasch aus Damengambit, London System und Slawisch auf dem Brett und improvisierte praktisch von Beginn an. Mein junger Gegner hielt so gut dagegen, dass ich lange Zeit nichts Greifbares herausarbeiten konnte. Allmählich schaffte ich es dann doch, einen gewissen Positionsvorteil aus der Stellung zu pressen, allerdings musste ich dem Schwarzen dafür gefährliche Aktivität einräumen. Als mir mein Gegner Remis anbot, musste ich wegen des ungünstigen Zwischenstands ablehnen und auf Sieg spielen, allerdings schätzte ich da meine Stellung auch objektiv noch als besser ein, und der Computer ist derselben Meinung. Kurz vor dem Kontrollzug unterlief mir dann aber mit noch drei Minuten auf der Uhr dieser spielentscheidende Schnitzer:

 

 
  Diagramm_066

 

Anstatt Td1-d3 hatte ich soeben De2-d3?? gespielt, was den sofortigen Knockout Txf3 zuließ. Nach ein paar belanglosen weiteren Zügen reichte ich meinem Gegner die Hand und gratulierte ihm zum verdienten Sieg.

Damit hatten wir gegen Göggingen überraschend deutlich mit 2,5 : 5,5, verloren. Ich muss fairerweise sagen, dass unsere Niederlage auch in dieser Höhe durchaus in Ordnung geht, denn an diesem Abend waren unsere Gäste einfach die bessere Mannschaft. Naja, uns hat es nicht geschadet, da wir selbst im Falle der Meisterschaft sowieso nicht hätten aufsteigen dürfen (da unsere zweite Mannschaft schon in der Schwabenliga II spielt). Und Göggingen hat es vielleicht die Sorgen genommen, gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. Da die Gäste allesamt durchweg sympathisch waren, empfand ich den Schachabend trotz der Niederlage als recht angenehm.

Wer sich noch den aktuellen Tabellenstand oder die Ergebnisse der Konkurrenten anschauen will, für den ist hier der Link zum Ligamanager



Autor dieser Meldung:Lothar Weimer
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Kommentare zu dieser Meldung:

Name und ZeitpunktKommentar
Georg schrieb am 28.01.2019 gegen 22:09 Uhr Hallo Lothar, dass schreib lieber Brett 4 ;-)
Patrick schrieb am 28.01.2019 gegen 15:14 Uhr Frau werden ist keine Option Lothar ;-)
Lothar schrieb am 28.01.2019 gegen 06:55 Uhr Hallo Georg, stimmt natürlich, das war Brett 8, nicht 4. Danke für den Hinweis! Das kommt davon, wenn man selber spielt und nebenher dauernd Notizen macht. Muss noch an meiner Multitaskingfähigkeit arbeiten. Oder eine Frau werden.
Georg schrieb am 28.01.2019 gegen 01:20 Uhr Hallo Lothar, danke für den interessant zu lesenden Artikel! Ich habe den Wettkampf genau so wahr genommen. Die einzige Ungenauigkeit ist bei 20.00 Uhr - den halben Punkt gab es an Brett 8.

Es macht immer Spaß, bei Euch zu spielen - vor allem natürlich, wenn wir gewinnen;-).

Viele Grüße
Georg Stiegel
VicePresident schrieb am 27.01.2019 gegen 10:11 Uhr Na dann viel Glück in Landsberg Lothar und Grüße ans Team!
AndreasK schrieb am 27.01.2019 gegen 09:10 Uhr Wow, sogar mit Diagrammen (die leider zwei Patzer unsererseits zeigen, aber das passt zu dem missratenen Abend) - ich werde werde nächstes Mal mein Bestes geben, damit wir auch mal erfreulichere Bildchen zu sehen bekommen ...
Lothar schrieb am 27.01.2019 gegen 08:00 Uhr Von wegen Sonntag verschlafen - ich bin schon wieder auf dem Weg zur schwäbischen Mannschaftsblitz nach Landsberg. Wer rastet, der rostet...
VicePresident schrieb am 27.01.2019 gegen 07:47 Uhr Auch hier muss man wieder sagen - ein toller Bericht! Irgendwie habe ich aber den Eindruck dass unser Spielleiter die ganze Nacht mit Partienanalysen verbracht hat und nun den Sonntag verschlafen wird.
Lothar schrieb am 27.01.2019 gegen 02:44 Uhr An Stefan S.: Kannst du mal drüberschauen, bitte? Ich krieg die beiden Diagramme im Autorensystem nicht reingebacken. Hab sie Dir per Mail zugesandt. Wenn möglich, bitte an den passenden Stellen einbauen, danke!


Der vorliegende Bericht ist älter als ein Jahr und kann daher nicht mehr mit Kommentaren versehen werden!
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