Erste Mannschaft verliert das Stadtderby sehr unglücklich


Betrifft Mannschaft: 1. Mannschaft (Landesliga Süd)

Der FC Augsburg machte es besser als wir – er gewann das wichtige Spiel gegen Mainz. Der Unterschied: es geht hier nur gegen den Abstieg (gut, eine andere, höhere, viel besser bzw. überhaupt bezahlte Liga und eine dann doch bekanntere Sportart als die unsere und dann noch Freiluftsport bei Schneefall und mehr Mannschaften in der Liga und und und…), während wir zumindest theoretisch noch Aufstiegschancen hatten, hätten wir gegen Haunstetten gewonnen.

Hätte, hätte, Fahrradkette, sagt man ja beim Fußball, womit wir wieder beim FC A wären. Doch lassen wir das und kümmern uns ums schachliche Geschehen.

Was ist passiert?

Ich fange direkt bei meiner Partie an, denn die war am schnellsten fertig. Ich hatte zum sechsten Mal weiß in Folge, was mir nicht ungelegen kommt, aber im Sinne der Mannschaft wäre ein Durchwechseln der Farben sicher besser. Ich hatte zwar kaum erwartet, gegen Armin Wolf zu spielen, aber dann trat Haunstetten doch recht ersatzgeschwächt an. Ich wandelte auf den Spuren von Prié, der gegen g6, Lg7, d6 sich auch mit Bauern auf d4 mit Lf4 und einem frühen Dd2 (statt des normalen e4) aufbaut. Nun ja, zumindest zweimal so aufgebaut hat, aber die genaue Zugfolge des Schwarzen sieht man sonst recht selten, also mit Sd7 und sehr frühem e5. Die Folge: schwarz hat nur noch eine Perspektive: remis zu halten. Konsequenterweise wurde mir schon im fünfzehnten Zug remis angeboten, was ich ablehnte. Nach 25 Zügen war die Stellung dann doch so tot, dass diesmal ich die Punkteteilung anbot.  Ich hatte versucht, was rauszuholen, aber es Armin verteidigte sehr solide und tauscht und tauschte und es war eben remis.

Kurz darauf kam für mich überraschend Michael in den Analyseraum – und zwar mit einem gelegten Ei im Gepäck. Ich verstehe manche seiner Eröffnungen nur sehr bedingt – heute hatte ich mich aber wirklich gefragt, wo die Kompensation in dem großen Entwicklungsrückstand und Raumnachteil liegen soll. Offensichtlich lag ich diesmal richtig, Michael stand wirklich sehr sehr seltsam. Der Hintergrund: sein Gegner spielte schon sehr früh einen Zug, bei dem Michael direkt out of book war (ja, wirklich, unser Michael!). Jedenfalls fand Michael am Brett keine geeignete Erwiderung, stand dann passiv, dann richtig schlecht und wurde schließlich einfach ausgetreten.

Paul wählte einen Aufbau, den ich auch schon probiert habe – hier kenne ich mich also etwas aus und kann zumindest ein bisserl mitreden. Allerdings spiele ich das System etwas zurückhaltender, mehr wie einen Igel mit weiß, während Paul, der gegen Paul (Weichlein) spielte, alles offener und direkter anging. Ich meinte, an einer Stelle einen sehr gefährlichen bis gewonnenen Plan für den Gegner gesehen zu haben – ein Bauerndurchstoß im Zentrum aufgrund eines auf b2 ungedeckten Läufers, was zu extremen Verwicklungen geführt hat. Die Analyse mit Paul W. (Paul D. musste heim und auf eine Prüfung lernen) ergab dann, dass der Plan wohl wirklich für Paul D wirklich gefährlich gewesen wäre. Irgendwie haben wir nur Gewinnwege für Schwarz gesehen. Das war aber alles hinfällig, da Paul W statt des Durchbruchs einen schwachen Damenzug , der ihn zwei Tempi kostete und die Stellung war im Eimer. Gut für uns und gut für Paul (D.) – Ausgleich, 1,5 : 1,5.

Robert setzte seinen Gegner mit den schwarzen Steinen früh unter Druck. Mir gefiel seine Stellung nach einem c5 mit Druck auf d4 (ungedeckter Läufer auf b2, Bauer d4 ist gefesselt) und einem Springer auf e4 außerordentlich gut. Ich habe schon Endspielstrukturen herauskommen sehen, bei denen Robert mit einem guten gegen einen sehr schlechten Läufer relativ gefahrlos auf einen Punkt spielen kann… Dann hat Robert jedoch im Zentrum getauscht und die Spannung rausgenommen. Sebastian meinte im Nachhinein, dass Robert auch da besser stand, was gut sein kann. Nur leider kam es dann zu einem Qualitätseinsteller. Der Zug, den Robert ausführte war so verlockend, dass er auch mein sofortiger Kandidatenzug in der späteren Analyse war. Leider ging er aber nicht und die Stellung war weg. Robert kämpfte noch zäh und lang eine aussichtslose Schlacht und musste dann den Punkt abgeben. Sowas kann leider immer und jedem passieren.

Denis musste zum sechsten Mal mit schwarz ran – doch was soll man tun?! Denis nahm dann in der Eröffnung einen Bauern, den ich nur unter Androhung körperlicher Gewalt gefressen hätte. Das kostet ein paar Tempi und Weiß hat eine starke Initiative. Michael, der auch hier die Theorie kennt, erklärte mir aber nach dem Mannschaftskampf glaubhaft, dass das in der Stellung geht und laut Buch schwarz hier besser steht und rauskommt. Allerdings müsse schwarz sehr genau spielen, um das dann zu schaffen. Findet man aber die richtigen Züge, dann sei nach 10 bis 20 Zügen die Initiative weg und schwarz bekäme Vorteil. Nun gut, so viel zur Theorie. Die Praxis sah aber erst durchaus danach aus. Denis verteidigte sich, holte einen zweiten Bauern, da er einen taktisch zurückgeben musste (den f7-Bauern, weshalb der König dann am Damenflügel Schutz suchte) und es kam mir so vor, als würde er sich wirklich rauswinden können. Später schaue ich wieder hin und er hat eine Qualle weniger. Wie es dazu kam? Keine Ahnung. Ich war im Nebenraum beim Analysieren. Wie auch immer, für mich sah es nach Kompensation für die Qualität aus und ich hätte die Stellung vielleicht sogar gerne gespielt (ich opfere ja manchmal eine Qualität für langfristige Ideen). Es kann aber auch sein, dass ich zu oberflächlich reingeschaut habe.

Zu dem Zeitpunkt stand Vadim schon (bzw. immer noch) sehr gut – mit Option auf einen ganzen Punkt – Sebastian auf Gewinn und Matthias besser bis höchstens remis. Robert stand da zwar schon auf Bruch, aber ein vier zu vier oder ein knapper Sieg für uns lag meines Erachtens in der Luft.

Jedenfalls bekam Denis die beiden Türme des Gegners nicht in den Griff und musste passiv verteidigen. Die nächste Rückmeldung, die ich bekam war, dass Denis verloren hatte.

Jetzt hatten die Haunstettener schon dreieinhalb Brettpunkte (und wir zweieinhalb).

Sebastian spielte eine richtig starke Partie, soweit ich das sehen konnte. Nach druckvoller Eröffnung gab Sebastian zwei Leichtfiguren gegen einen Turm und zwei Bauern her, um dann noch eine Qulaität für einen Bauern zu opfern. Zählt man jetzt das Material, so hat Sebastian drei Bauern für eine Figur. Sebastian tauschte dann alles ab, bis der Gegner nur noch den Mehrspringer hatte. Da der König aber zu weit weg war, war der Springer ein einsamer und zu lahmer Gaul, der gegene die Übermacht nichts ausrichten konnte. Buchi schwärmte später davon, dass Sebastian statt mit der Brechstange zu gewinnen, schließlich sehr elegante Zugzwangeinheiten auspackte. Ein wunderschöner Punkt!

Vadim hatte seinen Gegner, Boris Grimberg, bereits früh positionell unter Druck gesetzt. Mir haben seine beiden Zentrumsbauern, unterstützt von zwei Läufern, sehr gut gefallen. Doch Boris ist bekanntermaßen ein sehr starker Spieler. Vadim allerdings ebenfalls. Es hat Spaß gemacht, zuzusehen, wie Vadim immer weiter Druck machte, bis er schließlich einen Mehrbauern herauspressen konnte. Das Turmendspiel war spannend – erst ein Doppelturmendspiel, dann ein Einfachturmendspiel – und irgendwie sah es immer knapp am Remis aus – oder knapp gewonnen… schwer von außen zu entscheiden. Ich muss mal Buchi, der wieder als Edelfan anreiste, fragen, was er zu der Stellungsentwicklung sagt.

Doch erst zur anderen noch laufenden Partie… Matthias hatte eine recht dröge (zumindest in meinen Augen) Variante vom Gegner aufs Auge gedrückt bekommen. Es sah noch sehr nach Theorie aus, aber der Zeitverbrauch war dennoch sehr groß. Matthias musste dann einige Züge nur noch auf Basis den Inkrements machen – wobei er durchaus die Nerven der Kriegshaberianischen Zuschauer strapazierte, denn in aller Seelenruhe und ohne Hektik erst bei 2 Sekunden Restzeit den Zug auszuführen, ist für Außenstehende manchmal etwas zu spannend. Im vierzigsten Zug sah es dann so aus, als würde Matthias gar nicht zur Uhr sehen. Die Zeit lief runter und er rührte sich überhaupt nicht… 9, 8, 7, 6, 5, 4… 3… (erste Muskelaktivierung, immer noch kein Blick zur Uhr), 2 … (Arm bewegt sich, Matthias zieht), 1 … Matthias drückt die Uhr. Irgendwie erinnerte mich das an Buchi seinerzeit in Waldkirchen. Diese legendäre Partie war aber noch krasser – ohne Inkrement ließ Buchi im 39. Zug nur noch die Sekunde übrig – und musste den vierzigsten reflexartig ziehen – doch das ist Historie – nebenbei angemerkt, Buchi gewann die Partie).

Doch zur Stellung: Matthias hatte meines Erachtens Ausgleich und es gab schon eine Zugwiederholung – Matthias bot dann remis, wobei der Gegner auch auf Inkrementbasis spielte. Er lehnte dann ab und ging einer Wiederholung aus dem Weg. Und siehe da, Matthias bekommt dadurch die Oberhand und konnte sich einen Bauern abholen. Es war ein Läufer und Springer gegen Läufer und Springer-Endspiel. Schwierig zu berechnen, immer wieder mit Taktik verbunden. Matthias sollte dennoch auf zwei Ergebnisse spielen können (als Sieg oder remis). Und da bei Vadim ebenfalls nur zwei Ergebnisse in Frage kamen, ging es darum, ob wir 4 zu 4 spielen oder gar gewinnen könnten. Nach Denis‘ Niederlage ging es dann zwar mehr um das 4 zu 4, aber der Kampf sah doch ganz gut aus.

Und voilá, Vadim holte den Punkt. Doch leider… Matthias wurde dann doch ausgespielt und verlor die Partie doch noch. Sehr schade für uns, aber sehr gut vom Gegner gekämpft.

Fazit:

Wir hatten alle Chancen auf einen Mannschaftspunkt und hatten die Option auf zwei davon. Und mitgenommen haben wir dann keinen, nur die unglücklichen 3,5 Brettpunkte. Damit sind alle letzten Aufstiegsszenarien gestorben und wie müssen weiter gegen den Abstieg spielen. Wir stehen einen Mannschaftspunkt vor dem zweiten Abstiegsplatz. Das bedeutet, das Spiel gegen Freising ist ein kleines Endspiel um den Klassenerhalt. Es gibt nur noch Tod oder Gladiolen – womit der Bogen zurück zum Fußball gezogen wäre. Wir haben aber bei allen ausstehenden drei Spielen Chancen. Noch ist nicht aller Tage Abend. Und wenn der FC A wieder gewinnen kann, dann sollten wir das auch hinbekommen!

Und wie immer hier die Statistik:

SAbt TSV Haunstetten 1 DWZ ELO - SK Kriegshaber 1 DWZ ELO 4½ - 3½
1 1 Grimberg, Boris 2333 2341 - 1 Lavrinenkov, Vadim 2231 2256 0 - 1
2 2 Böttger, Lukas 2245 2247 - 2 Bintakies, Michael 2179 2166 1 - 0
3 6 Herb, Stefan 2138 2152 - 3 Reimann, Sebastian 2148 2178 0 - 1
4 7 Vogel, Johannes     - 5 Wiegner, Denis 2156 2166 1 - 0
5 8 Wolf, Armin 2081 2216 - 6 Hahn, Christoph, Dr. 2137 2160 ½ - ½
6 9 Tyomkyn, Mikhail, Dr. 2139 2111 - 7 Reimann, Robert 2045 2096 1 - 0
7 12 Weichlein, Paul 2058 2055 - 8 Demel, Paul 2042 2176 0 - 1
8 16 Fehmer, Dirk 2016 2099 - 10 Reimann, Matthias 1995 2014 1 - 0
Schnitt: 2144 2174 - Schnitt: 2116 2151  

 

RangMannschaft 12345678910 MPktBPkt
1. TSV Trostberg 1 **     5   10 - 2 28,5 - 19,5
2. SAbt TSV Haunstetten 1   ** 4   5   6 9 - 3 27,5 - 20,5
3. Münchener SC 2 **     4   5 9 - 3 27,0 - 21,0
4. SC Gröbenzell 1 4   **   4 5 6   8 - 4 25,0 - 23,0
5. SC Unterhaching 1   ** 6   5   6 - 6 25,0 - 23,0
6. SC Rottal-Inn 1 3     2 ** 4   6 5 - 7 24,0 - 24,0
7. SK Kriegshaber 1   4 4   4 **   5 - 7 23,5 - 24,5
8. SC Tarrasch München 1 3   3 3   **   4 - 8 22,5 - 25,5
9. SK Freising 1   2     ** 5 4 - 8 20,0 - 28,0
10. SC Dillingen 1   2 3   2   3 ** 0 - 12 17,0 - 31,0

 

Christoph Hahn


 



Autor dieser Meldung:Christoph,Dr. Hahn
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Kommentare zu dieser Meldung:

Name und ZeitpunktKommentar
Thomas schrieb am 04.02.2019 gegen 23:23 Uhr Danke auch für die wunderschöne Zeitreise - schätzungsweise ins Jahr 2005 - zurück nach Waldkirchen.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Buchis Krimi-Vorstellung von damals noch zu toppen ist.
Wenn sein Kontrahent damals mit 40.Qxd5 (schlägt Bauern) die Dame geopfert hätte, hätte Buchi drei Möglichkeiten gehabt, die Dame zurückzuschlagen...
... und schon rein mechanisch (plus Überraschungseffekt des Damenopfers) nicht mehr die Chance gehabt, die Dame zu schlagen und die Zeitkontrolle zu schaffen ...

Buchi hat diese sehr wichtige Partie dann für uns gewonnen (Ergebnis: 4,5 - 3,5 für uns).
Thomas schrieb am 04.02.2019 gegen 22:53 Uhr Vielen Dank für den schönen Artikel.
Ich finde es wirklich klasse, dass wir - nach wie vor - mit jeder Mannschaft der Liga auf Augenhöhe spielen.
Glückwunsch zum Sieg an Haunstetten.
VicePresident schrieb am 04.02.2019 gegen 19:27 Uhr Wenn Du nun die Löcher stopfen konntest, wäre Skandinavisch mit Lg5 doch mal ein Thema für das Training am Mittwoch!
Michael schrieb am 04.02.2019 gegen 15:25 Uhr Ich habe mich natürlich unmittelbar nach der Ankunft zuhause auf die Theorie gestürzt. Jetzt weiß ich Bescheid.
VicePresident schrieb am 04.02.2019 gegen 11:43 Uhr Auch wenn es zu keinem Mannschaftspunkt gereicht hat, was natürlich sehr schade ist, so gratuliere ich Euch allem zu einem tollen Kampf! Aber auch 3,5 Brettpunkte können am Schluss vielleicht doch sehr nützlich sein. Und ja, ich war auch überrascht warum unser alter Skandinavier Michael den Zug Lg5 nicht kannte. Gibt es doch noch weiße Löcher in der Theorie dieser Eröffnung? Wahrscheinlich sind bei der BLB in München heute alle Rechner mit AlphaZero, Fritz, Stockfish, etc. ausgelastet... :-)


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