Kriegshaber III fährt zum Abschluss der Kreisliga I in Mering noch einen hohen Sieg ein

Wenn ich die Ligatabelle vor dem Kampf richtig studiert hatte, dann sollte Mering eigentlich noch eine Chance haben, dem drohenden Abstieg aus eigener Kraft zu entkommen und Lechhausen hinter sich zu lassen. Bei sehr günstigem Verlauf hätte Mering sogar an uns noch vorbeiziehen können, allerdings hätten sie dazu heute einen Sieg mit mindestens 5 Punkten Unterschied gegen uns gebraucht (also Minimum ein 6½:1½ oder besser). Deshalb rechnete ich eigentlich insgeheim damit, dass die Meringer heute in Bestbesetzung antreten würden, allein schon um dem Wunder noch eine Chance zu geben. Offenbar war aber wohl der eine oder andere aus der Meringer Stamm-Acht wegen zu vielen Einsätzen in höheren Ligen schon oben festgespielt, so dass sie eben zu ihrem Unglück nicht alles aufbieten konnten, was sie hatten. Nun, das Ende vom Lied war, dass wir an fast jedem Brett nominell stärker aufgestellt waren - und da wir heute zur Abwechslung auch mal nicht über unsere eigenen Beine stolperten, drehten wir den Spieß sogar um und spielten im letzten Mannschaftskampf der Saison für uns selbst einen recht deutlichen Sieg heraus.

Die Einzelergebnisse:

Nr. Mering II DWZ - Nr. Kriegshaber III DWZ 2½-5½
04 Stoll, Stefan
1760 - 03 Bacher, Martin 1842 ½-½
07 Decker, Gerhard 1613 - 04 Städele, Thomas 1739 0-1
08 Dongoroz, Adrian 1553 - 05 Weimer, Lothar 1788 0-1
10 Jovy, Klaus 1593 - 06 Rehe, Walter 1779 ½-½
11 Gode, Gero 1674 - 07 Stakor, Darko 1639 0-1
12 Müller-Zurlinden, Johann 1585 - 08 de Lange, Stefan 1607 ½-½
14 Hirschmann, Bertram 1531 - 14 Kiechl, Stefan 1571 ½-½
17 Herz, Oskar 1512 - 19 Krammer, Werner 1594 ½-½

Brett 1:

Martin Bacher und sein Gegner Stefan Stoll schienen heute keine große Lust auf Kampf zu haben. Bereits um 19.10 Uhr waren nach nur 12 gespielten Zügen die Kampfhandlungen schon wieder beendet und der Punkt geteilt.

 
  Diagramm_073

Stellung nach dem 12. Zug von Weiß. Man sieht: Eine voll ausgekämpfte Stellung - hier geht wirklich gar nichts mehr für beide Seiten :-)

Der Ratekrimi zum Mitmachen: Welches war der letzte Zug von Weiß? Man beachte den Lf4... - Die Auflösung gibt's gegen eine Tüte Salzbrezeln am nächsten Klubabend bei mir - wenn Martin vorher nicht selber petzt.

 

Brett 2:

Thomas Städeles Partie gegen Gerhard Decker dauerte da schon deutlich länger. Die beiden spielten zunächst einen sowas von geschlossenen Spanier, dass lange Zeit keiner einen Weg in die Festung des Gegners fand. Schließlich schaffte Thomas es aber doch und fuhr als vorbildlicher Mannschaftskäpt'n den ganzen Punkt ein. Hier der entscheidende Wendepunkt der Partie:

 

 
  Diagramm_072

 

Weiß hatte soeben 23.Sf3-h4? gespielt, woraufhin Thommi mit dem taktischen Schlag 23...Sf6xd5! konterte und in letztlich entscheidenden Vorteil kam.

 

Brett 3:

Ich selbst (Lothar Weimer) spielte heute mit Weiß einen Abtausch-Slawen und wollte mit einfachen Mitteln in der resultierenden symmetrischen Stellung das Mehrtempo irgendwie zur Geltung bringen. Irgendwie harmonierten aber meine Pläne auf der rechten Seite des Brettes nicht mit dem, was auf der linken Seite (oder in meiner linken Gehirnhälfte) geschah. Mein Gegner ließ dann ein paar gute Möglichkeiten aus, um mein ungenaues Spiel zu bestrafen, so dass ich mit seiner Hilfe schließlich doch in Vorteil kam und ihn bei knapper werdender Zeit mit einem Mattangriff im Endspiel überlisten konnte. Man sehe:

 

 
  Diagramm_071

 

Schwarz hatte soeben 33...h6-h5 gespielt, um das durch 34.Lf7-g6# drohende Matt zu entkräften. Hier hatte ich zwar die Mattidee gesehen, führte sie aber in der falschen Reihenfolge aus und vermasselte so den schönen Fünfzüger. Natürlich wollte ich Lg6+, h4 und Th8# spielen, aber ich hätte mit dem Läuferschach beginnen und erst danach das Fluchtfeld g5 stopfen sollen. Ich machte es andersrum und spielte hier zuerst 34. h4, was zwar auch gut genug ist, jedoch die Verteidigung 34...Tg3 ermöglicht hätte (verhindert dann das geplante Matt durch das Qualitätsopfer auf g6).

Gewonnen habe ich zwar trotzdem, aber naja - wird's halt wieder mal nichts mit dem Schönheitspreis. Meine Partie war übrigens als letzte beendet.

 

Brett 4:

Walter Rehe spielte mit Schwarz wieder sein geliebtes Französisch. Aus der Tarrasch-Variante ergab sich dann im Mittelspiel eine völlig verrammelte Stellung, die mehr an die Vorstoßvariante erinnerte - im 18. Zug war noch kein einziges Bauernpaar getauscht, und die ineinander verzahnten Bauernketten zogen sich über das gesamte Brett hin. Im späten Mittelspiel war es dann aber doch zu einigen Tauschaktionen und Linienöffnungen gekommen und Walter hatte sich eine leicht vorteilhafte Position erarbeitet. Dennoch nahm er das Remisangebot seines Gegners an, da zu diesem Zeitpunkt der Mannschaftskampf bereits für uns gewonnen war.

Brett 5:

Darko Stakor spielte heute mit Weiß wieder mal eine seiner stärkeren Partien. Gegen die Holländische Verteidigung seines Gegners (Leningrader Variante) baute er sich sehr geschickt auf und übernahm bald die Kontrolle über die Stellung. Über die geöffnete h-Linie ging er dann dem schwarzen Monarchen an den Kragen und erlegte ihn mit einem sehenswerten Mattfinale. Ein sauber herausgespielter Punkt - bravo! Hier habe ich für euch eine der Schlüsselszenen der Partie festgehalten:

 

 
  Diagramm_070

 

Schwarz griff hier - in allerdings schon höchst bedrängter Stellung - noch mit 29...Db6xb2? beherzt zu und verleibte sich den vergifteten Bauern b2 ein, woraufhin er dem konzertierten Angriff der weißen Schwerfiguren in der h-Linie erlag, wie oben schon skizziert. Statt des Bauernraubs hätte er sich mit dem zwar passiven, aber widersträubenden Zug 29...Db6-d8 noch zäh verteidigen können, da er auf 30.Dg3-g5 dann die Antwort 30...Dd8-f8 hätte, was sowohl e7 als auch h6 deckt.

 

Brett 6:

Stefan de Lange hatte bereits um 19.20 Uhr mit seinem Gegner remisiert und war sogleich heimlich, still und leise aus dem Spielsaal nach Hause entschwunden, bevor ich noch eine Chance hatte, mir Notizen zu seiner Partie zu machen. Ich kann nicht mal mehr sagen, welche Eröffnung an diesem Brett überhaupt gespielt wurde - tut mir leid, Leute, aber wenn ihr wollt, dass ich einen Bericht über den Mannschaftskampf abfasse, dann benötige ich zumindest ein paar rudimentäre Informationen. Ich will gar nicht mal davon träumen, dass ich von jedem eine leserliche Partieabschrift kriege; manchmal wäre es schon ein Fortschritt, wenn ich überhaupt über das Ende der Partie informiert würde.

 

Brett 7:

Stefan Kiechl hätte sich beinahe auch von der nach etwa anderthalb Stunden Spielzeit um sich greifenden Remis-Seuche anstecken lassen (19.10 Uhr: Brett 1 remis; 19.20 Uhr: Brett 6 remis; 19.25 Uhr: Remisangebot des Gegners an Stefan). Ich fand's gut, dass er ablehnte und die Partie noch eine ganze Ecke lang weiterspielte. Begonnen hatte das ganze als Spanisches Vierspringerspiel; dass es am Ende dann doch remis wurde, ist okay - war dann halt wirklich nicht mehr drin.

 

Brett 8:

Werner Krammer hatte heute dankenswerterweise am achten Brett als Ersatzmann ausgeholfen und machte seine Sache mit Schwarz sehr gut. Den ersten Ansturm des Weißen federte er mit einer supersoliden Slawischen Verteidigung ab. Die Partie endete um 20.25 Uhr mit einem Dauerschach, also remis.

Und für alle, die sich jetzt noch die Abschlusstabelle dieser Kreisliga-I-Saison anschauen wollen, hier der Link zum Ligamanager

Spannend ist die Frage, wer denn nun neben Gersthofen den zweiten Absteiger stellt - Mering II oder Lechhausen. Beide Teams haben jetzt 3:11 Mannschafts- und jeweils 22 Brettpunkte; der direkte Vergleich endete 4:4. Ein Blick in die Augsburger Turnierordnung, § 7 Absatz 2, spricht dazu folgendes:

Ist die Summe der Mannschaftspunkte nach Durchgang aller Wettkämpfe bei mehreren
Mannschaften gleich, so entscheidet die Zahl der insgesamt erreichten Brettpunkte über die
Reihenfolge.
Besteht auch hier Gleichheit, wird wie folgt verfahren:
Die höhere Summe der Mannschaftspunkte der gegenseitig gespielten Wettkämpfe, bei
abermaligem Gleichstand die Brettpunkte der gegenseitig gespielten Wettkämpfe; zuletzt
Losentscheid.

Hm, mal ehrlich: Für mich klingt es so, als sei die im letzten Absatz enthaltene Formulierung hinsichtlich der Brettpunkte sinnlos, oder zumindest überflüssig - denn wenn der gegenseitig gespielte Wettkampf (und in einfacher Punktrunde kann es ja stets nur einer sein) keine Entscheidung brachte, dann ist er wohl 4:4 ausgegangen - oder 3:3 usw., was bei freigelassenen Brettern ja auch möglich wäre - und in diesen Fällen kann das nächstfolgende Kriterium der Brettpunkte natürlich auch kein anderes Resultat als wiederum Gleichstand ergeben. Ergo müsste hier wohl das Los zwischen Mering und Lechhausen entscheiden.

Vielleicht sollte ein Sachkundiger mal mit kritischem Blick über unsere Augsburger Turnierordnung drüberschauen - die scheint mir nicht nur an dieser Stelle etwas hemdsärmelig verfasst zu sein...

 

PS: Thommy, die gute Seele, hat doch tatsächlich ein paar der Partiemitschriften eingesammelt und mir zukommen lassen. Löblich, löblich! Sollte ich am Sonntag gaaanz viel Zeit übrig und keine Idee haben, was ich sonst anstellen könnte, dann mach ich vielleicht noch ein Update zu diesem Bericht und stelle ein paar Diagramme rein (falls was Sehenswertes dabei war). Für heute jedenfalls: Gute Nacht, Freunde!



Autor dieser Meldung:Lothar Weimer
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Kommentare zu dieser Meldung:

Name und ZeitpunktKommentar
Lothar schrieb am 12.05.2019 gegen 20:32 Uhr Stimmt auch! Mann, ist ja die reinste Retroanalyse hier - du machst mich noch arm mit dem Bier. Also gut, dann eben auf die harte Tour: Welchen Dialekt spricht der Wellensittich des Schwarzspielers?
Denis schrieb am 12.05.2019 gegen 19:47 Uhr Krieg ich noch ein Bier dazu, wenn ich dir auch sage was der vorherige Zug war? Ich denke Weiß hatte Sxe5 gemacht und Schwarz hatte dxe5 gespielt !? :-)
Lothar schrieb am 12.05.2019 gegen 19:07 Uhr An Denis: Verdammt....! Richtig kombiniert. Viellicht kriege ich ja wenigstens noch ein paar von den Bröseln ab.
Denis schrieb am 12.05.2019 gegen 18:37 Uhr Ich komme zwar eigentlich nie zum Klubabend, aber ich denke der gefragte letzte Zug war 0-0-0 (große Rochade). Falls ich richtig liege würde ich die Salzbrezeln gern knabbern, wenn am 12.7 Patrick seinen Vortrag über das London System macht :-)
VicePresident schrieb am 12.05.2019 gegen 13:19 Uhr An Lothar: Pure Annahme und Erfahrung in solchen Situationen!
Lothar schrieb am 12.05.2019 gegen 10:11 Uhr An VicePresident: Was macht dich glauben, ich hätte den Artikel noch kurz *vor* dem Einschlafen geschrieben? Ich bin mir selbst nicht mehr so sicher, ob die Augen nicht vielleicht doch schon zugefallen waren und nur noch mein Rückenmark die Tastendrucke steuerte...
Lothar schrieb am 12.05.2019 gegen 10:08 Uhr An Ralf: Vielen Dank für diesen sehr berechtigten Hinweis. Stimmt natürlich, bei drei oder mehr punktgleichen Mannschaften ist die Regelung durchaus sinnvoll, bei nur zweien dagegen nicht. Die bayerische Turnierordnung regelt diesen Fall meines Erachtens besser - da zählt erst noch die Berliner Wertung, bevor man zum völlig willkürlichen Losentscheid greift.
VicePresident schrieb am 12.05.2019 gegen 08:05 Uhr Da steht man an diesem verregneten Sonntag auf und dann hat man auch gleich einen spannenden Bericht zum Lesen! Danke an Lothar das Du dich kurz vor dem Einschlafen noch schriftstellerisch bestätigt hast. Und Gratulation an die Dritte zum Mannschaftssieg!
Ralf schrieb am 12.05.2019 gegen 07:49 Uhr Für mich klingt es so, als sei die im letzten Absatz enthaltene Formulierung hinsichtlich der Brettpunkte sinnlos, oder zumindest überflüssig ….
In diesem Fall schon, wären aber drei Mannschaften punkgleich, so kann das 2. Kriterium der Brettpunktsummen durchaus einen Unterschied ausmachen.


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