Masters of Disasters

Als langjähriger Stammspieler unserer dritten Mannschaft, der Masters of Disasters, kenne ich das ja allmählich: Mannschaftskampf-Samstage sind Horror-Nächte. Erwähnte ich schon, dass ich das Genre Horror überhaupt nicht mag? Um es kurz zu machen: Die nach Papierlage knapp aussehende Niederlage schmeichelt uns sogar noch, denn bei gerechteren Partieverläufen hätten wir von den Caissanern durchaus auch extrabreit gebügelt an die Wand gepinnt werden können. So gesehen sind wir mit dem 4½:3½ sogar noch gut bedient.


Die Einzelergebnisse:

Nr.Caissa Augsburg IDWZ-Nr.Kriegshaber IIIDWZ4½-3½
01Krämer, Max2043-02Knipfer, Andreas1841½-½
02Luhn, Robert (MSF)1948-03Reichardt, Peter17901-0
04Györi, Tibor1823-04Knapp, Moritz17510-1
05Weinberger, Rene1670-05Weimer, Lothar1790½-½
06Holuba, Stefan1763-06Rehe, Walter17510-1
09Müller, Sven1655-07Städele, Thomas (MSF)17981-0
12Sedelmayr, Werner1577-08de Lange, Stefan15971-0
14Sigl, Dietmar1320-23Eickert Jeffrey1513½-½



Brett 1:

 Andreas Knipfer eröffnete als Weißspieler Englisch gegen Krämer. Im Mittelspiel opferte er die Qualität für Läufer und einen starken Freibauern, der bis nach b7 vordrang. Ein Szenenfoto:

Andreas zog hier im 38. Zug Da4, worauf Damentausch folgte. Schwarz gab später die Qualität zurück und das Spiel endete mit einer gerechten Punkteteilung.


Brett 2:

Hier hatte es Peter Reichardt als Schwarzer mit dem erfindungsreichen Angriffsspieler Robert Luhn zu tun. Serviert wurde ein Damengambit, Tarrasch-Verteidigung. Wir betreten das Stadion im 11. Zug:

 

Peter prescht soeben mit g7-g5 am Königsflügel vor und will den Lf4 zurückwerfen. Etwas zu sorglos gespielt! Denn der findige Taktiker Luhn lässt sich die Chance nicht entgehen, den schwarzen König durch 12.Sc7+ Kf7 13.Sxe6 Kxe6 ins Freie zu zerren und mit Lh3+ weiter nachzusetzen. Eigentlich wäre diese Partie ab hier spätestens alle drei Züge ein Diagramm wert gewesen, denn es flogen nur noch die Fetzen. Ach, was soll"s, eines geben wir uns noch. - Gerade eben hatte sich der schwarze König wieder in die scheinbare Sicherheit nach f7 zurückgezogen, da ballerte Weiß mit 15.Lf4xg5 eine Figur rein:

Es folgte fxg5 16.Sxg5+, woraufhin der Monarch schwer angeschossen nach e8 zurück torkelte. Die Maschine hätte hier zwar lieber Kg8 gesehen, konstatiert aber auch dann noch deutlichen Vorteil für Weiß. Diese Partie war ingesamt ein Hauen und Stechen, bei dem beide Seiten in der Folge nicht immer das Stärkste fanden (sagt sich natürlich immer leicht in der engine-bewaffneten Rückschau), aber Peter stand wohl in der gesamten Partie niemals besser. Als er im Endspiel auch noch eine Figur verlor, musste er die weiße Fahne hissen.


Brett 3:

Neben mir am dritten Brett nahm Moritz Knapp Platz, der Meister der unverdienten Siege (entschuldige bitte Moritz, aber das musste nach diesem Abend einfach sein!). Hm, früher hatte diesen Titel eigentlich jahrelang unangefochten ein gewisser HP Dillimann (SC Keres Augsburg) inne, der für seine unkorrekten und fast immer erfolgreichen Figurenopfer berüchtigt war. Aber ich schweife ab. Auf den e4-Aufschlag von Moritz retournierte sein Gegner Tibor Györi mit Caro-Kann. Im Mittelspiel traf Moritz meiner Meinung nach ein, zwei Mal positionell fragwürdige Entscheidungen und geriet als Folge dessen zunächst in eine schwierige, schließlich sogar hoffnungslose Lage:

Wir sind im 41. Zug der Partie, der Kontrollzug ist geschafft, keine Zeitnot: Schwarz hatte soeben De1+ gespielt, woraufhin Moritz mit dem König nach h2 auswich. Wie leicht ersichtlich, ist Weiß total überspielt und steht auf Bruch. Anstatt aber nun etwas Unverbindliches wie 41...Da1 zu spielen, verfiel Schwarz zu seinem Unglück auf den Zug 41...Tf4??, um nach der Antwort 42.Sf6+ konsterniert aufzugeben. - Der Preis für den Duselkönig des Abends geht damit an Moritz Knapp. Wer dagegen etwas vorzubringen hat, der möge jetzt sprechen oder für immer schweigen...



Brett 4:

Ich selbst (Lothar Weimer) saß am vierten Brett mit den schwarzen Steinen Rene Weinberger gegenüber (dieser wie ich selbst Namenswechsler durch Heirat, hieß vormals Kellermann - falls der ein oder andere verwirrt sein sollte). Bar jeder Eröffnungstheorie spielte ich irgendwas, das entfernt an ein aus der Fasson geratenes Slawisch erinnerte, wobei ein paar der schwarzen Figuren irgendwie auf den falschen Feldern rumstanden. Das allein hätte die Stellung ja vielleicht noch abgekonnt. Aber als ich dann sogar noch einem absurd wahnwitzigen Bauerngewinn nachjagte und dabei ein paar richtig starke Zwischenzüge meines Gegners gar nicht auf dem Schirm hatte, wurde es für mich zwischendrin sogar mal richtig gefährlich:

Hier hatte ich soeben das schwache 14...Dd8-a5? gespielt und befürchtete insgeheim, mein Gegner könnte den Zug 15.Sa2-c1 finden, was nach meiner eigenen Berechnung eine Figur kosten sollte (die spaßbefreiten Maschinen sind natürlich wieder mal anderer Meinung, aber das erspare ich euch hier). Gehofft hatte ich ja ursprünglich auf 15.Sa2-c3, wonach die Antwort Sxc3 durchaus für mich funktioniert hätte. Letztlich atmete ich dann aber auf, als Rene hier das nicht ganz optimale 15.Lxa4 spielte. Im weiteren Partieverlauf erhielt ich unter Inkaufnahme großen Risikos (oder war es einfach präzise Variantenberechnung? Ähm, wohl eher nein...) tatsächlich einen Mehrbauern, verlor ihn wieder und bot schließlich mit einem nonchalanten Damenopfer Remis an:

Hier offerierte ich mit dem witzigen Zug 25.De5-b2 Remis, was mein Gegner kurz darauf akzeptierte. - Hm, das war mal wieder eine der Partien, nach denen man nicht weiß, ob man nun einen halben Punkt gewonnen oder veloren hat.



Brett 5:
Hier hatte unser unverwüstliches Urgestein Walter Rehe die weißen Steine und spielte in einer schottischen Partie gegen Stefan Holuba. Es bietet sich eigentlich gar keine Stellung aus dem Partieverlauf selbst für ein Diagramm so richtig an, da es keine einzelne Taktik gab, die die Partie entschieden hätte; vielmehr wurde Schwarz einfach nach und nach von Walter überspielt. Ich zeige deshalb die Schlussstellung, in der Schwarz das Handtuch schmiss:

Walter hatte zuletzt 23.Ta1-b1 gespielt. Der weiße Angriff ist tatsächlich derart stark, dass er auf keine sinnvolle Weise mehr pariert werden kann. Auffällig auch die traurige Rolle des schwarzen Lf8, der in der gesamten Partie nie gezogen wurde. - Bravo Walter, schöne Leistung! Davon hätten wir gestern Abend allerdings mehr brauchen können.


Brett 6:

Unser Mannschaftskapitän Thomas Städele spielte mit Schwarz gegen Sven Müller. Die Eröffnung war Spanisch, Abtauschvariante. Spanisch kam mir allerdings auch vor, was Thomas hier im 10. Zug tat:

Weiß hatte gerade 10.g2-g4 gespielt, und Thomas opferte nun mit 10...Lxg4 11.hxg4 Sxg4 eine Figur. Die Partie ging weiter mit 12.Te2 Sxf2 13.Txf2 Lxf2+ 14.Kxf2 g4 15.Se1 Dh4+, wonach folgende Stellung erreicht war:

Tommi hatte aber wohl seine Angriffschancen überschätzt; jedenfalls drang er nicht durch und wurde im Endspiel langsam aber sicher tot geknetet. Amen.



Brett 7:

Stefan de Lange hatte gegen den Vorsitzenden des Augsburger Schach-Kreisverbands, Werner Sedelmayr, die weißen Steine und geriet in einen Grünfeld-Inder. Die Partie verlief eigentlich lange halbwegs ausgeglichen, bis man schließlich in dieser Stellung hier landete:

Weiß hat im Moment eine Qualität mehr, wird sie jedoch wegen der Fesselung auf f2 in Kürze wieder verlieren und dann schlechter stehen. Stefan zog hier allerdings 31.Tc1-c2, was die Lage noch deutlich verschlimmert. Besser wäre laut Engine 31.Lg3 gewesen, um nicht den zurückschlagenden Turm ebenfalls gleich wieder in eine Fesselung zu bringen. So aber kam Schwarz nach Lxf5 und nachfolgendem Lxf2+ zu einer sehr aktiven Figurenaufstellung und gewann bald darauf durch direkten Königsangriff.



Brett 8:

Ligaspiele bringen es manchmal mit sich, dass man sich plötzlich an einem Brett wiederfindet, wo man gegen einen ehemaligen Vereinskollegen spielen muss. So ging es gestern Jeffrey Eickert, der vor einem Jahr von Caissa Augsburg zu uns gewechselt war und nun mit dem Gefühl, auf der anderen Seite zu spielen, mit Schwarz gegen seinen Ex-Teamkameraden Dietmar Sigl antrat. Die Eröffnung war eine Caro-Kann, die Partie im Mittelspiel nicht allzu aufregend; allerdings hätte das Bauernendspiel, in das die Partie schließlich mündete, einen tieferen Blick verdient gehabt:

Beide Spieler waren offenbar der Meinung, dass die Könige jeweils die gegnerischen Bauern aufhalten können und die Partie somit ihrem unvermeidlichen Remisausgang entgegenstrebe, da ja keiner der Könige selbst aktiv seine eigenen Bauern unterstützen kann. So ist es wohl zu erklären, dass Weiß hier mit dem fahrlässigen Zug 36.b5-b6+? den Sieg verschenkte. Dieser wäre allerdings mit dem Durchbruchsmotiv 36.d4-d5! zu erreichen gewesen, denn dem schwarzen König gelingt es danach in der Folge nicht mehr, alle weißen Bauern im Zaum zu halten. - Tja, auch hier hatten wir also Glück, dass der Spieler von Caissa nicht mehr an seine Chance glaubte und den Gewinn nicht fand. Nach ein paar belanglosen Zugwiederholungen wurde diese Partie schließlich (und zwar dann zu Recht) remis gegeben.

Hier noch der Link zum Ligamanager



Autor dieser Meldung:Lothar Weimer
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Kommentare zu dieser Meldung:

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AndreasK schrieb am 07.10.2019 gegen 09:43 Uhr Sch├Âner Bericht!


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