Blitzlichter vom Zollhauspokal

Ein paar Momentaufnahmen aus der 2. Runde:

 

Stefan Bleisteiner - Eckhardt Frank

Eine sehr interessante Partie ergab sich zwischen Stefan Bleisteiner und unserem Vorstand Eckhardt Frank. Stefan hatte den sogenannten Grand-Prix-Angriff gegen Eckhardts sizilianische Verteidigung gewählt und landete nun nach seinem 13. Zug (Lc1-e3) in dieser Stellung:

 

 
 Diagramm_085a


Der letzte weiße Zug war im Grunde ein Fehler, der jedoch von beiden Spielern unbemerkt blieb. Notwendig wäre hier eigentlich 13.Df2 gewesen (anstelle von Le3). Schwarz hätte in der Diagrammstellung nämlich nun mit dem undogmatischen Zug 13... Lg7xc3! den Weißen vor eine recht unerfreuliche Wahl stellen können - sowohl auf 14.bxc3 als auch auf 14.Dxc3 würde jeweils Se7-d5 folgen. Im ersteren Falle wäre der gefesselte Le3 sofort weg, im zweiten Fall (14.Dxc3) könnte Weiß nach Se7-d5 wenigstens noch mit 15.Dc3-b3 (fesselt den Sd5) Schummelversuche unternehmen, die aber letztlich ebenfalls zugunsten von Schwarz ausfielen.

Aber klar - in solchen Stellungstypen scheuen erfahrene Spieler häufig selbst dann vor dem Abtausch des Flankenläufers zurück, wenn dies einen nur kleinen Materialvorteil zu versprechen scheint. So nahm auch Eckhardt hier von 13... Lxc3 Abstand und setzte in der Diagrammstellung lieber mit 13... Sc6-b4 fort. Stefan wehrte daraufhin die Gabeldrohung (Sxc2) mittels 14.Dd2 ab.

Nach den weiteren Zügen 14... Sed5 15.Lf2 Sxc3 16.bxc3 musste Weiß mit dem b-Bauern zurücknehmen. Wir schalten uns in diese Partie erneut ein nach dem 18. Zug von Schwarz (Lc8-d7).

Diagramm_086a


Weiß zog hier 19.Txe8+, wonach allmählich bereits Schwarz in Vorteil kam. Dagegen hätte Stefan hier mit dem trickreichen, aber schwierig zu berechnenden Zug 19.Sf3-e5! weiterhin das Stellungsgleichgewicht wahren können. Der Witz ist, dass durch den Wegzug des Sf3 sofort auch Lg2xd5+ droht.

Im weiteren Partieverlauf neigte sich die Waagschale allmählich immer weiter zugunsten von Schwarz, wenn auch Stefan tapfer dagegenhielt. Die Entscheidung fiel letztlich durch einen hübschen taktischen Schlag im 25. Zug:

 
 Diagramm_087a


Hier hatte Eckhardt soeben stark 25... Te4xd4! gespielt. Die Idee ist klar: Falls Weiß den Turm mit 26.cxd4 nimmt, holt sich Schwarz nach 26... Dxd2 27.Lxd2 Lxd4+ den Turm auf a1 mit Zinsen zurück. Daher gab Stefan in der Diagrammstellung lieber mit 26.Dxd4? die Dame für Turm und Läufer. Leider ging Weiß wenig später an der schlechten Koordination seiner Figuren zugrunde.

Insgesamt eine sehr spannende Partie, die mit taktischen Elementen nur so gespickt war.



Lothar Weimer - Moritz Knapp

Ebenfalls eine sehr inhaltsreiche Partie spielten Moritz und ich. Da wir beide unseren Haupteröffnungen meist treu bleiben, wurde es wieder, wie schon beim letzten Aufeinandertreffen, eine holländische Partie (Leningrader System). Im Mittelspiel hatte ich mich auf ein merkwürdiges und zeitraubendes Damenmanöver eingelassen, wobei ich Schwarz gleichzeitig die Bildung eines Bauernklumpens im Zentrum erlaubte. Mein Plan dabei war, diese Bauern als Schwächen nachweisen zu können, aber so richtig gut wollte das zunächst nicht klappen. Im Gegenteil ich geriet in Nachteil und musste plötzlich hart um den Ausgleich kämpfen:

Diagramm_088

Schwarz am Zug - ich hatte hier auf 16... e5-e4 soeben mit 17.e2-e3 geantwortet. Die schwarze Bauernmasse sieht bedrohlich aus, und die auf der Grundreihe stehenden weißen Figuren machen auch nicht eben einen Furcht einflößenden Eindruck. Jedoch hatte ich genau diese Stellung in Kauf genommen, da ich der Meinung war, nun in jedem Fall das gegnerische Bauernzentrum atomisieren zu können. Im Falle von 17... d4-d3 wollte ich mittels f2-f3 den Bd3 entwurzeln.

Vermutlich ist dies der Kulminationspunkt der Partie, denn Moritz entschied sich zu 17... dxe3, und nach der weiteren Folge 18.fxe3 Se5 19.Dd5+ Kg7 schnappte ich mir mit 20.Lg2xe4 einen wichtigen Bauern und konnte danach zügig in ein deutlich besseres Endspiel abwickeln. Dennoch bleibt in der Rückschau das Gefühl, dass ich hier nur knapp einer Niederlage entkommen war. Aber Moritz und ich haben sicher noch nicht zum letzten Mal die Klingen gekreuzt...



Viktor Kaiser - Helmut Schönau

Eine echte Aufwertung des Mittwochstrainings vom 16.10.2019 war es, als plötzlich Viktor und Helmut herein schneiten, um ihre Partie aus dem Zollhauspokal nachzuspielen. Die Partie dauerte nicht sehr lange, war aber dafür hinterher eine begehrte Beute der Analyserunde. Viktor hatte sich als Weißspieler in einer Caro-Kann-Verteidigung als sehr gut präpariert erwiesen. Als Helmut in einer langen Theorievariante schließlich als erster von bekannten Vorgängerpartien abwich, erspähte Viktor sofort den schwachen Punkt in Helmuts Aufbau und entkorkte eine Widerlegung vom reinsten Wasser:

Diagramm_089


Schwarz am Zug. Bis hierher waren beide Spieler der Partie Gheorghiu - Filip, Tel Aviv 1964, gefolgt, in der Schwarz nun mit 13... Ld6 fortsetzte. Helmut wollte dagegen mittels 13... b7-b5 am Damenflügel expandieren, was von Viktor stark mit 14.c4! gekontert wurde. Es folgte 14... Sxe3 15.fxe3, wodurch sich dem Weißen sehr willkommen die f-Linie öffnete. Nach 15... b4 16.La4+ war Schwarz in keiner beneidenswerten Lage:

Diagramm_090


Die Partie ging weiter mit 16... Sd7 17.Sxd7 Lxd7 18.Lxd7+ Dxd7 19.Se5, und nun trat die Bescherung offen zu Tage:

Diagramm_091


Die schwarze Dame ist angegriffen und muss weichen, wonach der Turm auf f7 einbrechen wird. Helmut versuchte noch 19... Db7 20.Txf7 De4, doch nach Viktors Antwort 21.Tf4 schmiss er das Handtuch.

 
 Diagramm_092

In der Schlussstellung droht nach dem Wegzug der schwarzen Dame unter anderem auch Dh5+. Eine überzeugende Vorstellung von Viktor - Hut ab!

Wenn Euch auch selbst die eine oder andere hübsche Kombination gelungen ist oder ihr einen sehenswerten Reinfall erlebt habt, dann könnt ihr mir gerne Eure Partien zukommen lassen. Wenn ich Zeit finde, werde ich die eine oder andere Perle davon in lockerer Folge hier reinstellen.



Autor dieser Meldung:Lothar Weimer
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Kommentare zu dieser Meldung:

Name und ZeitpunktKommentar
Eckhardt schrieb am 18.10.2019 gegen 23:05 Uhr Wahrscheinlich habe ich Gespenster gesehen, aber bei Diagramm_085a war mir 13... Lg7xc3 zu unklar wegen 14. Dxc3 Sd5 15. Db3 Le6 16. Dxb7 mit meiner Meinung nach erzwungenem Tc8; wenn jetzt Weiß noch Ld2 spielt, dann hat er auf alle Fälle einen Mehrbauern, der a-Bauer bei Schwarz hängt ebenfalls. Soweit hatte ich es noch angeschaut, das war mir zu riskant.


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