König Bunt in Dinkelsbühl

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Turnierbericht über die DSSAM 2023 - drei tapfere Kriegshaberer gingen an den Start und schlugen sich wacker

Für das Martinstag-Wochenende 11./12.11.2023 hatten Dmytro Kamenskyi, Denys Filin und ich (Lothar Weimer) uns verabredet, zu dritt zur Deutschen Schnellschach-Amateurmeisterschaft (DSSAM) nach Dinkelsbühl zu fahren. Mit dem Auto betrug die Fahrzeit ca. 1 Stunde und 30 Minuten. Dinkelsbühl hat leider keinen Bahnhof; eine früher betriebene Nebenstrecke wurde schon vor Jahren stillgelegt, soll aber laut Dmytro möglicherweise wieder reaktiviert werden.

Schon bei unserer Ankunft erwartete uns eine kleine Überraschung: Außerhalb der Stadtmauer war ein kompletter Großparkplatz ausschließlich für die Teilnehmer des Schachturniers (!) gesperrt und reserviert worden - so etwas habe ich auch noch nie gesehen. Offenbar hatte das Orga-Team in Verbindung mit Fremdenverkehrsamt und Straßenverkehrsamt der Stadt im Vorfeld wirklich gute Arbeit geleistet.

Die Stadt Dinkelsbühl wirbt ja mit dem Slogan Schönste Altstadt Deutschlands, und auch wenn dies natürlich unvermeidlich mit hohen und durchaus erwünschten Touristenströmen verbunden ist, so hat der Ausspruch doch seine Berechtigung - das Städtchen ist wirklich malerisch. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass innerhalb der Stadtmauern konsequent auf Leuchtreklamen verzichtet wird - man sieht sie nirgends, es gibt einfach keine. Die Altstadt lässt sich dabei bequem im Schlendertempo binnen einer Stunde komplett zu Fuß erkunden.

Gespielt wurde in der 1609 erbauten Schrannenhalle im unmittelbaren Stadtkern. Der erstaunlich große Festsaal im ersten Stock ist wirklich sehenswert und imponiert mit einem herrlichen offenen Dachstuhl. Hier wurden die komplette DSSAM ausgetragen. So ganz nebenbei sei übrigens noch erwähnt, dass in einem deutlich kleineren, gesonderten Saal im Erdgeschoß desselben Gebäudes gleichzeitig auch die Profis spielten und dort die Deutsche Schnellschach-Einzelmeisterschaft 2023 austrugen - die am Ende von GM Leon Mons gewonnen wurde (mit 6½ aus 9 und besserer Feinwertung vor zwei weiteren punktgleichen Spielern).

Aber zurück zu uns Amateuren: Das 300-köpfige Teilnehmerfeld war hier in insgesamt sieben Spielstärkegruppen eingeteilt (Gruppen A bis G). Dmytro startete in der Gruppe A (DWZ 2101 bis 2300), Denys in der B- (DWZ 1901 bis 2100) und ich selbst in der C-Gruppe (DWZ 1751 - 1900). Zu absolvieren waren 9 Runden CH-System, Schnellschach mit einer Bedenkzeit von 15 min plus 10 sec Inkrement pro Zug. Als Uhren kamen die bewährten DGT2010/blau zum Einsatz, die wir auch selbst im Klub benutzen. Außerdem wurden die ersten beiden Paarungen jeder Gruppe an elektronischen DGT-Brettern gespielt und live ins Internet gestreamt.

Die Turnierleitung der DSSAM lag in den bewährten Händen von Hauptschiedsrichter IA Frank Jäger aus Leipzig. Außerdem waren noch im Einsatz: IA Thomas Strobl, die neue DSB-Präsidentin FA Ingrid Lauterbach sowie FA Ingo Thorn, seines Zeichens Vizepräsident des Bayerischen Schachbunds.

Für mich selbst war es seit langer Zeit das erste Mal, dass ich wieder für mich selbst nur als Spieler auf ein Schachturnier fahren konnte - also nicht als Organisator oder Turnierleiter. Früher hatte ich jahrelang häufig auf vielen Open mitgespielt, aber Familie und Funktionärstätigkeiten schränkten meine Möglichkeiten im Laufe der Zeit doch ziemlich ein. Mein letztes Open hatte ich tatsächlich 2016 in Wunsiedel gespielt...

Umso dramatischer wurde mir am ersten Turniertag in Dinkelsbühl vor Augen geführt, wie stark eingerostet ich war. Es ist halt einfach nicht dasselbe, wenn man immer nur freitagabends mit den Leuten aus dem eigenen Klub ein paar Rapid-Partien runter zockt, wobei man die Varianten der Gegner meist eh schon in- und auswendig kennt. Hier dagegen wurde plötzlich mit stählernen Besen gekehrt - und nachdem ich gleich meine ersten drei Partien in Folge verloren hatte (0-0-0, manche nennen dies ja scherzhaft das Schweizer Gambit...), hatte ich so gar nicht mehr den Eindruck, dass alle Teilnehmer in Gruppen von annähernd gleicher Spielstärke eingeteilt worden waren. Ich selbst schien hier jedenfalls nicht rein zu gehören.

In Runde vier bekam ich dann als Tabellenletzter das Freilos, und in Runde 5, der letzten des ersten Turniertags, verlor ich zur Krönung noch ein weiteres Mal eine Gewinnstellung. Danach kam ich mir endgültig vor wie König Bunt aus Fritz & Fertig. Falls das jemand wirklich nicht kennen sollte: In der sehr erfolgreichen, mittlerweile aber in die Jahre gekommenen Schach-Lernsoftware Fritz & Fertig, Teil 1 gibt es einen gutmütigen König mit veritablem Wohlstandsbäuchlein und bunt geflecktem Hawaii-Hemd, der beim Spielen ständig großzügigst Figuren einstellt und praktisch gegen jedermann verliert. Genau das ist der König Bunt. Meine gezeigte Performance ließ es also dringend geraten erscheinen, mir für den zweiten Turniertag ein Hawaii-Hemd zu organisieren - oder mich fortan am Riemen zu reißen.

Derweil hatten sich Dmytro und Denys für sich ganz andere Ziele gesetzt: Für Dmytro war es in der Löwengrube der A-Gruppe sein selbst gestecktes Ziel, wenigstens eine Partie zu gewinnen. Einige Remisen gegen Monster-Gegner hatte er zwar schon abgeklemmt; unter anderem musste er sich in Runde 3 mit dem Elementarendspiel K+S:K+T über die vollen 50 Züge lang verteidigen, ehe der Punkt geteilt wurde (der alte Turnierfuchs Dmytro strichelte die Zügezahl seit dem letzten Schlagfall offen auf einem Zettel mit, da ja beim Rapid grundsätzlich nicht mitgeschrieben wird, und ich selbst passte daneben stehend auf, falls später ein Zeuge für das korrekte Mitstricheln gebraucht würde). Den vollen Punkt schaffte er dann allerdings erst am folgenden Tag in einer Schwarzpartie mit dem Winawer-Franzosen.

Denys hatte dagegen verkündet, er wolle wenigstens ein Mal in der Tabelle so weit nach vorne kommen, dass er an einem der DGT-Bretter spielen durfte; dazu hätte er allerdings unter den ersten beiden Paarungen sein müssen - und das schaffte er dann leider doch nie.

Am Ende erreichte Dmytro, der als 22. der Setzliste (von 25 Teilnehmern) in der A-Gruppe  gestartet war, mit 3½ aus 9 den respektablen 20. Platz. Gruppenletzter wurde übrigens der einzige Großmeister im Feld, GM Thomas Pähtz (Vater der deutschen Spitzenspielerin Elisabeth Pähtz), der nach 5 Runden mit 2/5 aus dem Turnier ausstieg. Dmytro erkämpfte sich mit seinem Ergebnis auf die denkbar härteste Weise einen Rapid-ELO-Zugewinn von +21.

Denys spielte insgesamt von uns dreien das beste Turnier. Er erreichte mit vielen sauber ausgekämpften Partien insgesamt 5 aus 9 und landete damit auf Rang 17 von 62 Teilnehmern. Sein daraus resultierendes ELO-Plus wird satte 61 Punkte betragen.

Und ich selbst? - Tja, nachdem ich in meinem Reisekoffer trotz intensiver Suche leider doch kein König-Bunt-Hawaii-Hemd hatte finden können, besann ich mich am zweiten Turniertag darauf, dass es laut Tartakower in der Regel besser ist, die Figuren des Gegners zu opfern. Am zweiten Turniertag verlor ich keine der vier Partien mehr. Ich gewann zwei und remisierte die anderen beiden leicht. Mit der miserablen Leistung aus den ersten fünf Runden reichte das zwar nur noch für Rang 39 von 54 Teilnehmern (ELO -29), aber ich hatte immerhin wieder zu meiner Fassung zurück gefunden. Übrigens hatten bei mir in der C-Gruppe auch Bernhard Jehle (Jedesheim), Winnie Rebitzer (Mering) und das Dillinger Urgestein Uli Kapfer mitgemischt, wobei ich den Letztgenannten ob seiner mehrfach gezeigten Steherqualitäten in langen und hart ausgekämpften Partien besonders zu bewundern gelernt hatte.

Wer sich für Detailergebnisse, Startranglisten oder Abschlusstabellen interessiert, der findet all dies auf der bekannten Schachturnier-Seite Chess-Results.com - hier die Links für die Turniergruppen unserer drei Kriegshaber Teilnehmer:

Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C

Die anderen Gruppen (D bis G) findet ihr mit der Suchfunktion ebenfalls auf Chess-Results.com; einfach als Suchwort "DSSAM" eingeben, dann erscheinen sie unter den ersten Treffern.

Außerdem habe ich auch ein paar (wenige) Fotos geschossen, um euch Impressionen aus Dinkelsbühl zu liefern; diese findet ihr hier in unserer Fotogalerie.

Übrigens, wenn ihr selbst an externen Turnieren teilnehmt, dann wäre es schön, wenn ihr ebenfalls einen kleinen Erfahrungsbericht abfassen und hier reinstellen würdet. Das bietet anderen Vereinskollegen  von uns vielleicht eine Entscheidungshilfe für künftige eigene Turnierteilnahmen.

 



Autor dieser Meldung:Lothar Weimer
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