Kriegshaber III ringt Aichach nieder

Endlich mal wieder ein Erfolg für unsere dritte Mannschaft in der Kreisliga I - Aichach tritt nur zu siebt an und muss beide Punkte in Kriegshaber lassen

War es ungerecht von mir, meine Mannschaft im letzten Bericht als Masters of Disasters zu titulieren? Immerhin ist es schon eine ganze Weile her, dass ich über einen Sieg von Kriegshaber III berichten durfte, denn Punktgewinne für uns sind in letzter Zeit rar gesät. Und würde Aichach nicht derzeit unter einem schweren Ersatzspielerproblem leiden, sondern hätte in voller Stärke antreten können, dann wäre zumindest auch heute sehr fraglich gewesen, ob es einen Erfolg zu vermelden gäbe. So aber musste Aichach auf den Einsatz seines stärksten Spielers verzichten und den Punkt vom zweiten Brett kampflos an uns abtreten, was wohl am Ende die Waagschale zu unseren Gunsten sich senken ließ.

Die Einzelergebnisse:

Nr.Kriegshaber IIIDWZ-Nr.Aichach IDWZ4½-3½
01Gergen, Harald2034-01Lutz, Gerhard20550:1
02Knipfer, Andreas1841-03Federlin, Arnold2134+:-
04Knapp, Moritz1751-04Jacob, Dominik19080:1
05Weimer, Lothar1790-06Lenz, Bernhard1907½:½
06Rehe, Walter1751-07Oelrich, Andreas18031:0
07Städele, Thomas1798-08Probsdorfer, Günther1781½:½
08de Lange, Stefan1597-16Pribyl, Felix1487½:½
14Krammer, Werner1584-20Koppold, Gerhard13001:0


Zu den einzelnen Partien:

Brett 1:

Bei jedem Mannschaftskampf der Dritten empfinde ich es als sehr angenehme Begleiterscheinung, wenn Sonnyboy Harald Gergen an unserem Spitzenbrett Platz nimmt. Nicht nur, weil er ein bewunderswert guter Spieler ist, sondern vor allem auch deshalb, da es nicht viele Spieler wie ihn gibt, die es fertig bringen, um sich herum einfach immer gute Laune zu verbreiten.

Heute musste Harry also mit den schwarzen Klötzen in einem geschlossenen Sizilianer gegen Gerhard Lutz antreten. Und der rollte auf breiter Front gegen den schwarzen Königsflügel an. Spätestens ab etwa dem 18. Zug begann Harry aber allmählich ernsthafte Probleme zu bekommen. Er stand gedrückt, rochierte auch erst im 20. Zug (kurz), und zwar wie es beim Nachspielen aussieht mitten in die bereits anrollende weiße Angriffswalze hinein. Aber im Grunde gab es ja auch gar keine Alternative. Sein Gegner spielte sehr überzeugend, erhöhte den positionellen Druck immer weiter, so dass die schwarze Stellung wirklich nicht mehr schön zu spielen war und irgendwann einfach zusammenbrach. Eine Momentaufnahme aus dieser Partie ist aber dennoch sehr sehenswert, denn da sprang die Bewertung von bereits +10.15 für Weiß plötzlich auf "nur noch" +3.5 zurück:

Diagramm_094

Es sind 33 Züge gespielt - Weiß tauschte hier mit 34.Lxe7 Texe7 den Läufer ab und setzte den Angriff mit 35.g5 fort, was laut Stockfish immer noch gewinnbringender Vorteil ist (ca. +3.5). Die Maschine will jedoch in der Diagrammstellung viel lieber 34.Lxg7 Kxg7 spielen, um danach mit dem Zertrümmerungsopfer 35. Txf7+! fortzusetzen (Kxf7 36. Dxh7+ usw.). Das hätte den Todeskampf von Harrys König wohl um ein paar Züge verkürzt. Aber auch so drangen die weißen Figuren unaufhaltsam wie Hornissen über die schwachen schwarzen Felder und die h-Linie ein. Im 38. Zug schmiss Harry in aussichtsloser Lage das Handtuch. Schade. - Kopf hoch, Harry!



Brett 2:

Hier wartete Andreas Knipfer vergeblich auf seinen Spielpartner, bei dem es sich laut Mannschaftsmeldung um den sehr starken Arnold Federlin (DWZ 2134!) gehandelt hätte. Bereits vor Spielbeginn hatte uns der MSF informiert, dass dieses Brett wohl auf Aichacher Seite leer bleiben würde, und so war es dann auch: Ein kampfloser Punkt für uns.

Nach dem Ende meiner eigenen Partie hatte ich Gelegenheit, mich etwas länger mit dem Aichacher Mannschaftführer zu unterhalten. Fazit: Nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Vereinen kennt man das Problem, zu jedem Punktspiel stets acht Spielwillige zusammengefangen zu kriegen. Über die Ursachen waren wir uns nicht recht klar; ich selbst sehe eine große Konkurrenz für das Schach in den vielfältigen alternativen Freizeitangeboten, die heutzutage bestehen. Wir Schachvereine stehen im Wettbewerb mit der Attraktivität, die die neuen Medien vor allem auf die Lebensjüngeren haben, und in diesem Wettbewerb bestehen wir bislang leider nicht besonders gut.


Brett 3:

Unser musisches Talent Moritz Knapp führte am dritten Brett die schwarzen Steine und bekam es mit Dominik Jacob zu tun. Es entstand ein seltsam anmutender Holländer. Wir betrachten das Geschehen nach dem 8. Zug von Schwarz:

Diagramm_095

Moritz hatte hier soeben 8... Sf6-g4 gezogen. In der Post-mortem-Analyse haderte er mit diesem Zug und wollte ihn in der Rückschau durch etwas anderes ersetzt sehen. Tatsächlich jedoch verdarb dieser Zug die Stellung noch gar nicht, jedenfalls nicht entscheidend, wenngleich Weiß nach der folgenden Sequenz 9.Sxg4 fxg4 günstig zu dem Vorstoß 10.e4 kam. Der wirklich vorentscheidene Fehler geschah erst einige Züge später, und zwar hier:

Diagramm_096

Moritz entschied sich an dieser Stelle zu dem fatalen Zug 17...Sb6-d5?, was wohl besser durch 17...Le6 ersetzt worden wäre. Nun aber folgte 18.Sd6 Db6 19.Lxd5+ cxd5 20.Dxd5+ Kh8, und nach 21.Sf7+

Diagramm_097

musste Schwarz mit Txf7 die Qualität geben, um nicht erstickt Matt gesetzt zu werden. Demoralisiert unterlief Moritz kurz darauf noch ein weiterer schwerer Fehler, so dass ihm nichts anderes übrig blieb, als die Waffen zu strecken.



Brett 4:

Ich selbst (Lothar Weimer) spielte mit Weiß gegen Bernhard Lenz. Aufs Brett kam ein Slawisches Damengambit, wobei ich durch den frühen Abtausch cxd5 cxd5 die Stellung in ruhigerem Fahrwasser halten wollte. Der Abtauschslawe mit der daraus resultierenden symmetrischen Bauernverteilung gilt zwar gemeinhin als etwas ambitionslose Variante, was aber bei einem genaueren Blick gar nicht so ganz stichhaltig ist. Im Schach-Magazin 64 stieß ich dazu kürzlich auf eine äußerst interessante Partie mit dieser Eröffnung, wo Weiß mit ganz subtilen Mitteln den Schwarzen zunehmend vor Probleme stellen konnte - so etwas in der Art hatte ich für heute auch geplant und wollte meinen Gegner in ein Endspiel mit schlechtem Läufer bugsieren. Nach einigen Abtauschen erreichten wir schließlich diese Stellung:

 
 Diagramm_093

Ich hatte soeben 17.fxe4 gezogen und gleichzeitig Remis angeboten, was mein Gegner nach einigem Nachdenken schließlich akzeptierte. Das Zurückschlagen mittels 17... dxe4 würde es mir ermöglichen, meinen Springer via c4 unvertreibbar nach e5 zu bringen. Auf das alternative Wiedernehmen mit dem f-Bauern, also 17... fxe4, wäre hingegen 18.Db3 gefolgt, mit der Doppeldrohung Sxe4 und Dxb7, evtl. nach vorausgegangenem Turmtausch auf f8. Wir analysierten nach dem Ende der Partie diese Variante etwas weiter und kamen zu dem Schluss, dass Weiß wahrscheinlich den Bb7 gewinnen würde, wobei aber fraglich wäre, ob und wie leicht sich dieser verwerten lassen würde.

Mit dem Remis war ich dennoch zufrieden, denn ich stand noch etwas unter den psychologischen Nachwehen meiner Schwabenliga-Partie vom vorhergehenden Sonntag. Da hatte ich nämlich als Aushilfe in der zweiten Mannschaft eine schlechte Leistung abgeliefert - Eröffnung falsch behandelt, lange durch ein schlechter stehendes Mittelspiel gequält und dann, als völliger Ausgleich mit Remisschluss schon zum Greifen nah war, durch einen Patzer die Partie wieder einzügig weggeschmissen. Einer Maschine würde das nicht mehr in den Knochen sitzen, aber wir sind ja nun mal Menschen...



Brett 5:

Für unseren Nestor Walter Rehe fallen mir allmählich schon keine passenden Adjektive mehr ein, die man nicht schon bemüht hätte: Unverwüstlich trifft es wohl am besten, aber bei dauerndem Gebrauch wirkt dies abgedroschen. - Heute hatte es Walter am fünften Brett als Schwarzspieler mit Andreas Oelrich zu tun. Die Eröffnung war ein Königsindischer Vierbauernangriff, wobei ich hier als Kiebitz den Eindruck hatte, dass Weiß in der Eröffnung zuviel wollte und einen Tick zu forsch nach vorne spielte. Durch einen wohlgesetzten energischen Gegenschlag legte Walter zunächst das imposante weiße Bauernzentrum in Trümmer. Das folgende Mittelspiel war dann hart umkämpft und bei asymmetrischer Materialverteilung äußerst unklar. Wir betrachten die Szene vor dem 31. Zug von Weiß:

Diagramm_098

An dieser Stelle zog Andreas Oelrich 31.Lh6-d2?, wonach Stockfishs Bewertung auf -4.00 hinunter in den Keller geht (zugunsten von Schwarz). Dagegen hätte Weiß, obwohl augenblicklich noch im Materialnachteil, mit dem Zwischentausch 31.Lc4xe6! sogar das bessere Ende für sich behalten können (laut Stockfish ca. +1.15), da Schwarz wegen der prekären Lage seines Königs nicht zurückschlagen dürfte - 31...Tfxe6 führt nach 32.Dc3+ zu Matt in 7, und 31...Texe6 nach 32.Db8+ gar zu Matt in 4.

Nach dem gezeigten Fehler und Turmtausch auf der e-Linie ließ sich Walter die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Sein freier f-Bauer drang schnell nach vorne und erzwang die Entscheidung zugunsten von Schwarz. - Bravo! Erneut ein schöner Sieg unseres Oldtimers Walter, der spielerisch noch lange nicht zum alten Eisen gehört.



Brett 6:

Die Paarung an diesem Brett hieß Thomas Städele gegen Günther Probsdorfer. Es frage mich bitte keiner, was für eine Eröffnung das war: Selbst mein Datenbankprogramm legt sich hier nicht fest und irrlichtert irgendwo zwischen Moderner Verteidigung, Sizilianisch und Ungarisch umher. Im nachträglichen Schnelldurchlauf fand Stockfish bei keinem der beiden Spieler einen Fehler, der die Stellung nennenswert aus dem Gleichgewicht gebracht hätte; insofern ist der Remisschluss im 29. Zug durchaus adäquat.

Diagramm_099

Schlussstellung aus der Partie Städele - Probsdorfer, Weiß am Zug (Ergebnis: Remis).



Brett 7:

Am siebten Brett spielte Stefan de Lange mit Schwarz gegen Felix Pribyl. Auch diese Partie endete schließlich mit einem Friedensschluss, worauf ich allerdings nach dem Verlauf der Eröffnung eher nicht gewettet hätte: Aus einer Caro-Kann-Verteidigung heraus (1.e4 c6 2.Sc3 d5 3.d4 dxe4 4.Sxe4 Lf5) zog Weiß unvorsichtigerweise 5.f3, um seinen Se4 zu decken, und nach 5...e6 6.Lc4? nahm die Partie einen aus unserer Sicht zunächst sehr erfreulichen Verlauf:

Diagramm_100

Es folgte das naheliegende 6...Lxe4 7.fxe4 Dh4+ 8.Kf1 Dxe4, wonach man als Kiebitz den Punkt innerlich schon für Schwarz auf der Habenseite verbuchen möchte. Dass die Partie dennoch mit einem Remis endete, zeigt nur, dass solche Einschätzungen bei uns in der Kreisliga halt doch schlichtweg zu voreilig sind. Und wenn ich jetzt auch noch darauf eingehen wollte, dass die Endstellung, in der sich die Kontrahenten die Hände schüttelten, laut Stockfish sogar mit -4.30 als klar gewonnen für Schwarz bewertet ist, verkommt das, was wir da Samstag abends immer treiben, schon beinahe zu Slapstick... Am besten, wir nehmen es alle einfach mit Humor.


Brett 8:

Werner Krammer spielte als Ersatzmann am hintersten Brett mit Weiß gegen Gerhard Koppold. Der Unterschied in den Wertungszahlen betrug hier beinahe 300 DWZ-Punkte zugunsten von Werner, und am Ende wurde er der daraus resultierenden statistischen Gewinnerwartung auch gerecht. Die Eröffnung lässt sich als London System gegen schwarzes Doppelfianchetto beschreiben, wonach die Partie aber einen recht wechselhaften Verlauf, gewürzt mit beiderseitigen Fehlern, nahm. Interessant ist zum Beispiel diese Situation hier nach dem 22. Zug von Schwarz:

 
 Diagramm_101

Schachfreund Koppold hatte hier gerade mit 22...Tg8xg2+ einen Turm für Angriff ins Geschäft gesteckt, was objektiv aber nicht gerechtfertigt ist - falls Weiß mit dem König nimmt und sich danach wieder in die Ecke verdrückt. Man kann nur vermuten, dass Schwarz vielleicht fälschlich glaubte, Weiß wäre nach dem tatsächlich folgenden 23.Lxg2 Dg5 nicht in der Lage, das Matt auf g2 zu decken, doch dies ließ sich sehr wohl durch den einfachen Zug des weißen f-Bauern nach f3 bewerkstelligen, was die Wirkung der weißen Dc2 bis nach g2 verlängerte und so das Matt verhinderte.

Später im Endspiel hatte Schwarz noch einmal die Möglichkeit, durch eine sehr forcierte Zugfolge in ein relativ klares Remis abzuwickeln. Nachdem er aber auch diese Chance vorübergehen ließ, ereilte ihn sein Schicksal und Werner machte den vollen Punkt.



Und wie immer hier noch der Link zum Ligamanager



Autor dieser Meldung:Lothar Weimer
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Kommentare zu dieser Meldung:

Name und ZeitpunktKommentar
Alex schrieb am 18.11.2019 gegen 06:18 Uhr Gratulation! Zu den Ursachen, warum es schwierig ist, eine volle Mannschaft zu bekommen, möchte ich hinzufügen: die Uhrzeit oder auch der Tag: es wäre viel besser Samstag Vormittag oder Sonntag anstatt Samstag 18 Uhr... Weiterhin ist die Planung total willkürlich: z.B. unsere 4. Mannschaft spielt zwei Mal innerhalb von zwei Wochen Ende September und Anfang Oktober (oft Urlaubszeit noch) und dann wartet sie fast zwei Monate bis Mitte Dezember für das dritte Spiel! So kann man schwer planen...
AndreasK schrieb am 18.11.2019 gegen 14:26 Uhr Vielen Dank für den klasse Bericht. Da kann man auch mal um 19 Uhr verschwinden und kriegt trotzdem im Nachhinein alles mit, was gelaufen ist :-)
Patrick schrieb am 18.11.2019 gegen 14:52 Uhr Gratulation an die 3. Mannschaft!
Michael schrieb am 19.11.2019 gegen 16:19 Uhr Toller Bericht. Und sogar mit Bildern.


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