AFRO-Jahre

1974 hatten wir die 50 Jahre SK Kriegshaber gefeiert mit einem gemütlichen Abend im Pfarrheim Hlst. Dreifaltigkeit, dazu hatte Erich Bartel mit Hilfe seines Problemschachfreundes Kniest das gedruckte Heft "50 Jahre Schachklub Kriegshaber" herausgebracht. Darüber hinaus hatten wir noch über schachliche Großereignisse kurz nachgedacht (damals war ein Simultanabend mit einem Titelträger das nonplusultra), aus finanziellen Gründen nahmen wir dann aber schnell Abstand von dieser Idee.

10 Jahre später war das 60jährige Jubiläum vorübergegangen, ohne jedes Event, ohne Aufmerksamkeit. Gründe dafür waren vielschichtig: Einerseits waren wir gerade mit der Renovierung des Zollhauses (unseres zukünftigen Klubheims) jedes Wochenende in Anspruch genommen, außerdem hatten wir bei den Funktionäre gerade eine etwas schwierige Zeit, nachdem unser langjähriger Vorstand Erich Bartel ein Jahr zuvor nicht mehr angetreten war und die Nachfolger gerade genug zu tun hatten, angesichts unserer Wanderschaft durch Kriegshaber Lokale so etwas wie einen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.

1994 kam unser damaliger Spielleiter Michael Voß schon sehr früh auf mich zu mit dem Gedanken, ein Open auszutragen. Die Begeisterung war recht groß, die Ahnung, was auf uns zukommen würde, war deutlich geringer.

Der Name: "Kriegshaber Open" klang uns zu klein, "Jubiläums-Open" klang irgendwie nach Seniorengeburtstag (ja lebt der immer noch?), irgendwie schwierig. Wir suchten was typisch "augsburgerisches": bei "Mozart-Open" hätte die Gefahr bestanden, dass jemand ein Klavier oder eine Geige mitbringt oder dass die Spieler das Turnier in Salzburg suchen und "Brecht-Open" hätte wohl kaum Scharen von Großmeistern bewegt, die Koffer zu packen.
Etwas ganz besonders ist das Augsburger Friedensfest, ein Feiertag, um den uns viele Werktätige in Deutschland beneiden, außerdem eine Chance, dass vielleicht Augsburger Schachspieler einen Urlaubstag weniger brauchen und somit mehr davon mitspielen. Also: "Augsburger Friedensfest-Open". (habe ich aber später auch noch öfters erklären müssen).

Vorbereitung: Als Raum konnten wir den Pfarrsaal von St. Thaddäus buchen. Wenn man zu zweit drinsteht, sieht er riesig aus. Wenn man dann mal die verfügbaren Tische und Stühle zählt und dann überschlägt, wieviel Bretter man reinbekommt, dann mussten wir auf 100 Bretter limitieren.
Die Einladungen: Tja liebe Kinder, das war noch die Zeit vor Internet, Whatsapp, Facebook und so. Wir haben so richtig analog eingeladen. Einladungen kopieren, Briefumschläge (kann man in gut sortierten Museen noch besichtigen) wurden von Hand beschriftet und dann haben wir halt alles an Vereinen angeschrieben, wo wir irgendwie eine Adresse herbekommen haben. Portokosten ca. 100 DMark. Dann haben wir einen Preisfonds berechnet. Ach ja: an die ganzen deutschsprachigen Schachzeitungen haben wir die Einladung auch gesandt.

"What about the conditions". Als Kontaktadresse hatte ich leichtsinnigerweise meine Adresse und meine Telefonnummer angegeben. Merke: Wenn man in einer Turnierausschreibung klar und deutlich schreibt "Keine Sonderkonditionen" und "keine Sonderkonditionen für Titelträger" dann schützt das keinesfalls davor, dass etwa jede zweite Nacht das Telefon penetrant läutet, bis man aufgibt und rangeht. Ohne Begrüßung oder Namensnennung hört man dann ein heißeres "and what about the conditions?????" und es wird dann erklärt, dass der legendäre, weltberühmte F/I/GM Dennamenhabichjanochniegehört möglicherweise gegen Zahlung eines Handgelds sowie des Angebots kostenloser Übernachtungen bereit wäre, vorbeizukommen und das Preisgeld abzuholen. Einmal habe ich - leicht genervt - vorgeschlagen, dass ich das Preisgeld ja gleich so überweisen könnte, dann würde er sich die Anreise und das Schach spielen ersparen; Ironie gehört aber nicht zum Eröffnungsrepertoire von Schachspielern. Die Antwort: "Ja is das meglich?".

Organisation: Michael hat das Turnier mit einem Programm namens "Protos" bedient. Rechnerleistung der damaligen PC"s waren etwa die eines Tamagotchis, Sicherungen erfolgten auf Disketten (und wurden wärmstens empfohlen, denn der Rechner rauchte immer wieder mal ab) und die Mensch-Maschine-Schnittstelle (sprich Bedieneroberfläche) war - sagen wir es mal nett - verbesserungsfähig. Die Partien haben wir auch alle erfasst. Es gibt ein JUGENDSCHACH, in dem die Partienotationen sauber mit Schreibmaschine abgetippelt wurden.

Nach unserem Jubiläums-Open hatte ich wochenlang Schnappatmung und nur einen Gedanken: NIE WIEDER.

Klar, dass ich mich dann von zwei Vereinskollegen wieder weichkochen ließ, dass jetzt das Schlimmste gelaufen sei, jetzt hätten wir uns einen Namen gemacht, jetzt würde es aufwärts gehen. Und (ganz wichtig): Sie würden mir vor allem die Ansprechbarkeit vor dem AFRO abnehmen.
Soweit die Theorie.
In der Praxis meldete dann unser AFRO-Ansprechpartner und Telefonkontakt 3 Wochen vor dem zweiten AFRO sein Telefon ab (ohne jemanden etwas zu sagen; wir erreichten ihn auch nicht, denn - siehe oben - das Telefon war ja abgemeldet). Offensichtlich hatten viele Kunden noch die Ausschreibung vom Vorjahr zur Hand.
"And what about the condititions?".

Ein weiteres Problem waren die Finanzen: Mit einem Schiedsrichter und zwei Organisatoren waren wir gut beschäftigt. Deswegen stellten wir eine Platte mit Wurstsemmeln sowie Träger mit Getränken hin und stellten daneben ein Körbchen zum bezahlen auf. Das war ein Fehler, denn am Ende fehlten uns bei der Getränkeabrechnung ein gut dreistelliger Betrag. Zudem war klar, dass wir mit den begrenzten räumlichen Möglichkeiten im Pfarrheim finanziell immer draufzahlen würden.

Durch den Kontakt eines Schachfreunds aus einem anderen Verein konnten wir als Spiellokal die Mensa der Fachhochschule bekommen; hier passten deutlich mehr Leute rein, es war sogar Platz für einen Schachstand und meine Frau erklärte sich bereit, einen Verpflegungsstand zu betreiben, an dem es Kaffee, Kaltgetränke und Wurstsemmeln gegen Bezahlung gab. Auch im folgenden Jahr stellte sich meine Frau wieder hinter den Verkaufsstand mitten im Durchgang vom Eingang ins den Spielsaal, danach hatte sie den Kanal aber absolut voll von Schachspielern, Verkaufsständen und der zugigen Halle.

SpielmaterialNatürlich hatten wir im SKK nicht genügend Spielmaterial für inzwischen über 130 Schachspieler. So dieselte ich im Vorfeld immer einen Tag lang durch die Lande und lieh mir Material aus: vom Kreisverband Augsburg, vom Bezirksverband Schwaben, zweimal vom Bezirksverband München (das war einen Fahrt nach Aschheim und zurück...) und hinterher mussten wir wieder alles auseinanderdröseln. Vor allem bei den (analogen) Uhren hatten wir teilweise Material, das jeder Beschreibung spottete. Naja.
Dieses Problem löste sich dann wie durch ein Wunder in Wohlgefallen auf, als ich Kontakt mit Bernhard Jehle und seinem Schachversand bekam; Bernhard baute beim AFRO jedes Jahr seinen Stand auf und lieh uns dafür einheitliches (!!!) Material, seit etlichen Jahren auch mit Digital-Uhren.

Austragungsorte des AFRO
Wir kommen ganz schön rum in Augsburg:

- Pfarrheim St. Thaddäus (in Kriegshaber) Wechsel, weil zu klein
- Mensa der Fachhochschule (nach zwei Jahren wurden die Mietkosten erhöht auf 9000 Mark für 4 Tage, wir haben dankend abgelehnt)
- Aula des Gymnasiums bei St. Stephan (so lange es unter Trägerschaft des gleichnamigen Klosters stand), nach Übergang der Trägerschaft nicht mehr möglich
- Speisesaal des Internats St. Stephan: Nach Schließung des Internats und Neuausrichtung des Klosters nicht mehr möglich
- Pfarrsaal der syrisch-orthodoxen Gemeinde (in Lechhausen): sehr interessante sanitäre Anlagen, mit dieser Location haben wir uns etliche Teilnehmer vergrault
- Turnhalle des TSV Kriegshaber

Schach macht Mucki"s:
Inzwischen haben wir immer zwischen 200 und 250 Teilnehmer. Stühle wären evtl. genügend da, allerdings nicht annähernd genügend Tische. Also haben wir dankenswerterweise einen Kontakt zum MAN-Museum, wo wir uns jedes Jahr 45 Tische und 100 gepolsterte Stühle ausleihen dürfen. Dazu müssen wir einen LKW (idealerweise mit Hebebühne) mieten, zum MAN-Museum fahren, Tische und Stühle aus dem Keller holen, in den LKW wuchten, dort so verzurren, dass möglichst wenige umfallen oder rausfallen, nach Kriegshaber kutschieren, dort abladen und in der Turnhalle aufbauen. 5 Tage später geht alles wieder in anderer Richtung.

Dazu müssen wir für unseren Verpflegungsstand die Fussballer-Bar ausräumen und erstmal seeeeeehhhhhr gründlich reinigen. Danach kommen diverse Kühlschränke, Kaffeemaschinen, Kochstationen hinein und mit Hilfe von Freiwilligen haben wir dann inzwischen einen ziemlich professionellen Verpflegungsstand.

25 Jahre später:
Die Einladungen laufen heute nur noch digital, indem wir die Ausschreibung zum AFRO auf unsere Homepage sowie auf diverse Schach-Server stellen sowie per Mail an die Schachzeitungen senden. Anrufe kommen kaum noch, jedenfalls nicht mehr zu mir. Wir haben einen Funktions-Mailpostkorb eingerichtet, damit Leute, die sich per Überweisung angemeldet haben, auch schreiben können, dass sie sich per Überweisung angemeldet haben bzw. dass sie sich zwar angemeldet haben, aber leider nicht kommen können.
Den Ergebnisdienst machen wir inzwischen in Echtzeit über unsere Homepage (wenn ich ganz gute Nerven habe, schreibe ich sogar einen aktuellen Blog), aber auf Wunsch vieler Schachspieler läuft der Ergebnisdienst im Turniersaal parallel auch über Papieraushänge (ist wie am Klo: Papier bleibt Papier). Protos verwenden wir schon seit Jahren nicht mehr, Swiss Chess ist eine sehr gut bedienbare Alternative. Manchmal schaffen wir es, Partien einzugeben, in den letzten Jahren eher weniger, weil die Zahl der Freiwilligen, die bei der Erfassung helfen, immer weiter abnimmt.

Dieses Jahr (2019) haben wir die 26. Auflage des Augsburger Friedensfest-Opens absolviert.

Im Jahr 2020 musste das AFRO abgesagt werden: Wegen der CoVID19-Pandemie waren ab März alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen aus Hygienegründen verboten. Wir hatten bis Ende Juni noch gehofft, das AFRO irgendwie - evtl. in kleinerem Rahmen austragen zu können, mussten uns aber den Rahmenbedingungen beugen.

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Terminvorschau:
Senioren-EM, Runde 5. Beginn: 19:00 Uhr am Dienstag, 19.10.2021

Taktiktraining, Beginn 18:00 Uhr am Dienstag, 19.10.2021

Freier Spielabend, evtl. Rapid-Turnier am Freitag, 22.10.2021

Kreisliga 2: Friedberg II - Kriegshaber IV, Beginn 18:00 Uhr am Samstag, 23.10.2021

Alle Saisontermine

Künftige Termine



Aktuelle Downloads:
Satzung des Schachklub Kriegshaber
(Dateigröße: 162.05 KB)

Beitrittsformular Jugendliche
(Dateigröße: 92.43 KB)

Beitrittsformular Erwachsene
(Dateigröße: 91.84 KB)

SEPA-Lastschrift für Mitgliedsbeiträge
(Dateigröße: 95.79 KB)

Zollhauspokal 2021 Ausschreibung
(Dateigröße: 72.64 KB)

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